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Artikel vom 07.06.2007

Erschienen in der Allgemeinen Coesfelder Zeitung

Kreis Coesfeld/Berlin

Begegnung „Auf Billerbeck“ in Berlin

Ein Spaziergang im Kreis-Coesfeld-Viertel der Bundeshauptstadt / Straßen in den 30er Jahren benannt

Die Hochhäuser vom Potsdamer Platz, der Kurfürstendamm und Alexanderplatz – dieses Bild haben die meisten vor Augen, wenn sie an Berlin denken. Jenseits der City wandelt sich jedoch das Bild, von den Plattenbauten der 60er bis 80er Jahre bis zu den immer noch erhaltenen dörflichen Strukturen findet man alles in Berlin. Im Bezirk Reinickendorf, im Süden des Ortsteils Tegel, stößt der Berlin-Besucher aus dem Kreis Coesfeld sogar auf ganz Bekanntes: den Coesfelder, Dülmener, Billerbecker, Sendener und Ascheberg Weg. Vor etwas über 70 Jahren erhielten diese Straßen der neu errichteten „Siedlung Waldidyll“ ihre Namen. Vermutungen, dass das mit dem Coesfelder Architekten Rudolf Wolters, der Mitglied des Stabs des Hitler-Stadtplaners Albert Speer war, zusammenhing, können ältere Anwohner nicht bestätigen.

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So sehen die Straßenschilder in der Siedlung Waldidyll aus. Neben dem Ascheberger
gibt es noch den Coesfelder, Dülmener, Sendener und Billerbecker Weg.

Zu erreichen ist das Kreis-Coesfeld-Viertel am besten über den Kamener Weg. Rosemarie Franke leitet das Büro der „Berliner Stadtmission“ am Billerbecker Weg. „Wir kommen aus dem Sauerland, mein Mann spricht beim Abbiegen immer vom Kamener Kreuz“, lacht sie. Meist das Einzige, was den Berlinern zu Kamen einfällt. In den Räumen der evangelischen Stadtmission wird unter anderem in den Wintermonaten ein „Indoorspielplatz“ betrieben.

Die Bebbauung der Siedlung stammt zum großen Teil aus den Anfangsjahren. Jeder hat nach seinem Geschmack gebaut. Es gab keine planerischen Vorgaben. Einzig der Coesfelder Weg bietet ein einheitliches Bild. Die Reihenhäuser wurden zwischen 1936/37 von Paul Poser errichtet, in der Hauptsache für Mitarbeiter der nahe gelegenen Borsigwerke.

Peter Michaelis ist hier seit 1936 zu Hause. Aus den Unterlagen kann er berichten, dass „der Grund nur 3 Goldmark, ein Haus bis zu 36 000 Reichsmark gekostet hat“. Von einer Laube bis zu einem Landhaus findet man hier alles. Beim Spaziergang fällt auf, dass überall gewerkelt wird. Viele Häuser haben den Besitzer gewechselt, häufig haben die Kinder die Häuser der Eltern übernommen.

Dies bestätigt auch die Leiterin der „Alfred-Brehm-Grundschule“, Tatjana Schwarz. „Die Schüleranzahl pendelt so um die vierhundert. Als wir vor zwei Jahren unser 50-jähriges Jubiläum gefeiert haben, konnten wir feststellen, dass viele Eltern unserer Schüler, selbst ehemalige Absolventen unserer Schule sind.“ Man ist offensichtlich in der Siedlung verwurzelt.

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Mittelpunkt des Kreis-Coesfeld-Viertels im Berliner Bezirk Reinickendorf: die
Philippus-Kirche am Ascheberger Weg.

Im Rahmen des Jubiläums hatte das Kollegium der am Ascheberger Weg liegenden Schule die Idee, mit einer Grundschule in Ascheberg Kontakt aufzunehmen. „Wir haben es aus Zeitgründen nicht geschafft, wären aber eigentlich immer noch interessiert“, sagt die Schulleiterin. Am Ascheberger Weg findet sich auch ein anderer für das Zusammenleben im Viertel wichtiger Ort. Es ist die 1956/57 von Walter Krüger erbaute evangelische Philippus-Kirche.

Am Billerbecker Weg liegen die einzigen Baudenkmäler der Siedlung. Der Garten der ehemaligen Gartenarbeits schule des Bezirks ist in die Gartendenkmalsliste eingetragen. Obwohl diese inzwischen aufgegeben worden ist, soll hier ab heute wieder Jugendarbeit geleistet werden. Der neue Träger, der ubs e.V., eröffnet einen „Garten für Sport, Kunst und Handwerk“. „Auf Billerbeck“, wie die Begegnungsstätte jetzt heißt, werden Kurse von Walking über Volkstänze bis zum biografischen Schreiben angeboten. Artur Dollicher legt im Garten noch letzte Hand an, denn „der Gingko, die Feige und die anderen Gehölze sollen zur Eröffnung im gut gepflegten Zustand sein“, sagt er.

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Viel Grün – fast wie im Kreis Coesfeld: „Auf Billerbeck“ heißt eine neue Begegnungs-
stätte am Billerbecker Weg in Berlin, die heute eröffnet wird. Auf dem Gelände stehen
auch Baracken, in denen in den 40er Jahren Zwangsarbeiter untergebracht wurden.

Dabei wird die Geschichte der auf dem Gelände stehenden Baracken nicht ausgeblendet. Hier waren in den 40er Jahren Zwangsarbeiter untergebracht. Die Gebäude stehen ebenfalls unter Denkmalschutz.

Die Waldidylle im Viertel wurde früher nur im Sommer gestört, wenn die vielen Berliner, die in der Jungfernheide spazieren gehen oder im Flughafensee baden wollten, auf Parkplatzsuche durch die Siedlung fuhren. Inzwischen wurden Schranken installiert, die am Wochenende geschlossen werden.

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