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Artikel vom 31.07.2007

Erschienen in der Aachener Zeitung

GERA

Gärtner aus NRW blühen im Osten auf

Zwischen Dahlien-Arena und Irisgarten: Die Bundesgartenschau wird erstmals an zwei Standorten präsentiert – Gera und Ronneburg

Zum ersten Mal wird eine Bundesgartenschau an zwei Standorten präsentiert. Im ostthüringischen Landkreis Greiz können noch bis Mitte Oktober zwei unterschiedliche Parkanlagen besichtigt werden. In Gera wurde ein alter Park rund um das „Stadion der Freundschaft“ am Ufer der Weißen Elster neu gestaltet. Das Gelände ist überschaubar. Ein Park der besonders die Geraer langfristig erfreuen dürfte. Die Spielflächen für Jugendliche werden jetzt schon angenommen. Die Kinder dürfte ein ausgeklügeltes Tunnelsystem begeistern.

Durch enge Gänge am Fuß eines Hügels kann man bis in den Hahnenturmauf dem Gipfel gelangen, gruselig und schön zugleich. An der Villa Jahr wird über Bestattungskultur informiert. Direkt am Ufer der Elster ist ein Musterfriedhof entstanden. Das Interesse an den Ideen der Steinmetze und Friedhofsgärtner ist groß. Vielleicht liegt das auch an dem relativ hohen Alter der Besucher. 17 Gärtner aus Nordrhein-Westfalen beteiligen sich an dieser Musterschau, darunter auch Stefan Lukassen aus Dorsten.

Symbol mit Bedeutung

Die zwölf Partnerstädte Geras durften jenseits des Flusses kleine Gärten anlegen. Diese wollen auf Besonderheiten der Orte und Gegenden hinweisen. Ohne eine Erklärung erschließt sich die Symbolik allerdings nicht immer. Das Hopfen und Pilsen zusammengehören, weiß zumindest jeder Biertrinker. Das im rumänischen Timisoara 1884 die erste Straßenbeleuchtung Europas installiert wurde und deshalb hier eine Laterne steht, kaum jemand. Auch die Kausalität zwischen dem schmiedeeisernen Hahn und Puschkin im Garten der Stadt Pskov ist nicht sofort erkennbar. Puschkin wurde in Pskov beerdigt, der Hahn erinnert an ein Märchen des Autors.

In einem ehemaligen Fabrikgebäude ist die Blumenhalle entstanden. Die Schauen wechseln im zwei Wochen Rhythmus.In knapp zwei Stunden hat man den Park erkundet, die Dahlien-Arena ebenso wie den Irisgarten und die Schattenstauden. Eine Pause kann man in einem der „Gastro-Standorte“ einlegen, allerdings ist das Angebot nicht besonders phantasievoll – Imbissverpflegung. Magere Auswahl bietet auch der Gärtner- und Bauernmarkt am Ausgang. Zu wenig Pflanzen, die ein begeisterter Gärtner mit nehmen könnte. Die Besonderheiten fehlen sowieso.

Einen Besuch wert ist der sogenannte „Küchengarten“ an der Orangerie. Außerhalb der eigentlichen Anlage lädt der barocke Garten zum Verweilen ein. Die Orangerie beherbergt eine Otto-Dix-Ausstellung.

Die zweite Station der Buga in Ronneburg ist acht Kilometer Luftlinie entfernt. Ein alle zehn Minuten verkehrender, kostenloser Busshuttle verbindet die Anlagen. Eine Radroute zwischen den Standorten wurde ebenfalls ausgewiesen. Ronneburg liegt mitten im ehemaligen Wismut Abbaugebiet. Von 1945 bis 1990 wurden hier 231.000 Tonnen Uran abgebaut. Thüringen war nach den USA und Kanada der drittgrößte Uranproduzent der Welt. Der Uranerzbergbau hinterließ eine verseuchte Mondlandschaft. Die Restaurierung wird insgesamt mindestens 6,2 Milliarden Euro verschlingen und soll im Jahr 2015 abgeschlossen sein. Hier, wo jetzt der Park entstanden ist, hat der Tagebau Lichtenberg ein Loch von einem Kilometer Breite und zwei Kilometern Länge bei einer Tiefe von 240 Metern gebildet. Dazu entstand rund herum ein Haldengebirge. Das Alles ist nurnoch zu erahnen.

Die „Neue Landschaft“ auf 60 Hektar Fläche bietet weite Ausblicke und Sichtachsen. Nur noch Fotos an der „Wismutausstellungshalle“ und an den Aussichtspunkten erinnern an den ehemaligen Frevel. Die kaum vorstellbare Menge von 910.000 Kubikmeter Erdreich wurde bewegt, tausende von Bäumen neu gepflanzt.

Ronneburg steht damit in der Tradition der letzten Bundes- und vieler Landesgartenschauen. Man nutzt die Chance, um, meist mit Fördergeldernaus Europa, Bund und Land, die belasteten Flächen wieder den Menschen zugänglich zu machen. Es ist die vierte Buga in den neuen Bundesländern. Cottbus, Magdeburg und Potsdam haben ihre Schauen auf ehemaligen Militärflächen ausgerichtet. Die letzte, in München, fand auf dem ehemaligen Flughafengelände in Riem statt. In Leverkusen wurde 2005 die Landesgartenschau auf dem Gelände einer verseuchten Abraumfläche von BASF angelegt.

Rosengarten

In Ronneburg wurde ein „Großes Arboretum“ mit 410 Bäumen der Nordhalbkugel der Erde, ein Rosengarten mit 10.000 Blumen, davon 70 Neuheiten und ein Staudengarten angelegt. Die Cosmeen- und Präriestaudenanlage ist außergewöhnlich. Die Themengärten kreisen um das Thema Thüringen. Von einer begehbaren „Thüringer Rostbratwurst“ über zerschlagenes Meißner Porzellan bis zum „Rosenwunder“ der Heiligen Elisabeth von Thüringen, deren Geburtstag sich in diesem Jahr zum 800. Mal jährt, reichen die zwölf Themengärten.

Den absoluten Höhepunkt bildet jedoch Europas längste Holzbrücke. Die „Drachenschwanzbrücke“ überspannt auf 240 Metern in über 25 Metern Höhedas durch den Erzabbau gerissene Tal. Martin Bodenstein aus dem hessischen Fulda bestätigt den Eindruck. Der 25-Jährige besucht zum ersten Mal eine Bundesgartenschau. „Das Highlight für mich war auf jeden Fall die Brücke. Eine eindrucksvolle Konstruktion.Dass die Gartenschau an zwei Standorten stattfindet, empfinde ich als Nachteil, allerdings funktioniert die Organisation ausgezeichnet“, meint der junge Mann. Die Brückenkonstruktion vermittelt durch ihren geschwungenen Geländerverlauf, der sich nach Norden hin verjüngt, eine verspielte Leichtigkeit. Die Schwingungen der aus einem einzigen block verleimten Holzband bestehenden Brücke lassen manch’ einen Schritt unsicherer werden.

Der Weg von der Brücke führt direkt zum Entdeckerturm. Einem Aussichts- und Kletterturm, der einem Förderturm nachempfunden ist. Die sportlichen Kletterer stehen vor einer Herausforderung. Der Normalbesucher kann die Eisentreppe nehmen, um auf die in 20 Metern Höhe angebrachte Aussichtsplattform zu gelangen. Der Blick auf das Tal und auf das Örtchen Ronneburg entschädigt für die Mühen. In Ronneburg sollteman sich mehr Zeit nehmen, mindestens drei Stunden braucht man um alles zu sehen. Liegewiesen laden zu kleinen Pausen ein.

Im Vergleich zu den vorangegangenen Schauen kommt diese unspektakulär daher. Es wurde weniger in Architektur investiert. Umso herzlicher sind die Mitarbeiter. Überall wird man mit einem Lächeln empfangen und umfassend beraten. Man nimmt sich Zeit, um die Fragen ausführlich zu beantworten. Dies alles und die Verbindung von alt und neu, machen den besonderen Charme aus.

Mehr dazu: www.bundesgartenschau.de

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