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in Treffpunkt 01-2007

Albrechtstraße – eine Straße mit vielen Gesichtern

Die Wege, die das Dorf Steglitz mit den umliegenden Gemeinden verbunden haben, sind bis heute sichtbar. Die Schloßstraße als der Weg zwischen den Residenzen Berlin und Potsdam. Die Grunewaldstraße als Verbindung nach Dahlem, die Bergstraße nach Tempelhof, die Schildhornstraße nach Schmargendorf, die Birkbuschstraße und der Hindenburgdamm nach Lichterfelde. Der Mariendorfer Weg führte in Richtung der namensgebenden Ortschaft.

Ursprünglich: Mariendorfer Weg

Schon vor 1878 wurde der Mariendorfer Weg in Albrechtstraße umbenannt. Namensgeber war der Gemeindeverordnete Karl Albrecht. 1863 erbaute er den Albrechtshof, einen Mehrzweckbau mit Hotel, Restaurant und Theater. Später zog ein Kino in die Theaterräume ein. Der Bau musste dann für den „Kreisel“ abgerissen werden. Dieses Schicksal wird wohl jetzt auch den „Kreisel“ ereilen. Karl Albrecht ist es auch zu verdanken, dass der Eisenbahnhalt in Steglitz eingerichtet wurde. An der Stelle, an der heute die Trasse der A 103 „Westtangente“ verläuft, befand sich das Steglitzer Bahnhofsgebäude. Von dem ursprünglichen Bahnhofsensemble sind noch zwei Pavillons auf der Südostseite jenseits des Viadukts übrig.

Die Unterführung erlangte bundesweite Berühmtheit, als sie zweimal zur Baustelle wurde. Bei der ersten Instandsetzung hatte man übersehen, dass trotz anderslautender Planung Doppeldeckerbusse nicht drunter passten. Also wurde noch einmal gebuddelt.

Die Albrechtstraße lässt sich in fünf Abschnitte unterteilen. Der erste ist am Hermann-Ehlers-Platz. Der zweite zwischen Bahn und Filandastraße, der dritte schließt sich an bis zum Stadtpark. Hier ist die Albrechtstraße unterbrochen durch den Steglitzer Damm und die Bismarckstraße. Hier beginnt der nächste lebendige Abschnitt bis zur Halskestraße, um dann jenseits davon in einer ruhigen Wohngegend bis zum Teltowkanal zu enden.

Zweitwichtigste Steglitzer Einkaufsstraße

Im ersten Abschnitt ist die Albrechtstraße ein Nahversorgungszentrum für die Umgebung. Sie ist die zweitwichtigste Einkaufsstraße in Steglitz (die Schloßstraße als Nr. 1 ist in Süd-Berlin uneinholbar).

Unser Spaziergang beginnt an den schon genannten Pavillons, beide unter Denkmalschutz stehend. Auch der Gebäudekomplex zwischen Berlinickestraße und Schützenstraße ist inzwischen geschützt. Alle drei Eckgebäude beeindrucken durch ihre Fassaden und fallen durch ihre Ecktürme auf. Sie wurden durch die Maurermeister H. Spuck und C. Balcer sowie den Architekten Wilhelm Gutzeit zwischen 1898 und 1905 errichtet. Hier kann man den Spaziergang mit einem Einkaufsbummel verbinden. Boutiquen für Jung und Alt, Glaser, Kontaktlinsenstudio, Juwelier, Friseur, Trödler ein arabisches Restaurant und eine Blumenhandlung sind hier zu finden. Mittendrin die alteingesessene Buchhandlung Richard Auerbach Nachf., die seit über 100 Jahren existiert. Um sich der übermächtigen Konkurrenz der Buchhandelsketten zu erwehren, wurde das Geschäftsfeld um einen Weinhandel erweitert. Hier wird man noch persönlich beraten, egal ob beim Buch- oder Weinkauf.

An der Ecke Schützenstraße gibt es einen Indoorspielplatz mit Café. Hier können Eltern auch bei schlechten Wetter ihre Sprösslinge für 3,00 Euro in der Stunde spielen lassen. Der Modesalon Jostin und die Neulandfleischerei behaupten sich schon seit vielen Jahren an diesem Standort. Jenseits der kleinen Albrechtstraße wechselt die Bebauung. In den Nachkriegsflachbauten haben ein Supermarkt, ein Autohaus und die Möbelhandlung Thieme ihr Domizil. Die Besitzerin des Möbelhauses, Carola Thieme-Fittkau, ist auch gleichzeitig die Vorsitzende der „Interessengemeinschaft Albrechtstraße“. In der IG sind fast 40 Geschäfte der Einkaufsmeile organisiert.

An der Breiten Straße sollte man die Straßenseite wechseln und schlendernd den Rückweg antreten. Der Copy-Shop beschließt den geschäftigen Teil der Straße auf dieser Seite. Das Burgenländer Eck propagiert an der Plantagestraße regionale österreichische Küche. Ein Café und ein Zeitungsladen schließen sich an. Im „First + Secondhand“ Laden wird erstklassige Garderobe aus zweiter Hand verkauft. Überregionales Publikum wird vom Schachladen ebenso angezogen wie von dem im Hinterhof beheimateten Antiquariat Hennwack. Hier kann man gemütlich bei einem Kaffee im Bestand stöbern. Der Hof der Reifenhandlung Rohrbeck beherbergte früher u.a. eine Tankstelle. Diese galt als eine der billigsten in ganz Berlin.

Kräuter, Kiwis und Döner

Aus dem weiteren Angebot ragen einige hervor. Ein neuseeländisches Lokal mit dem Namen „Kiwi-Pub“ bereichert die gastronomische Landschaft, dazu noch Döner- und Chinarestaurant. Bei Kräuter- Kühne kann man Gesundheitstees, wie Schlüsselblumenblüte (zum Abhusten) oder Huflattichblätter (schleimlösend), erwerben.

Die Haushaltswarenhandlung Arncken ist inzwischen eine Institution. Kaum etwas was im Haushalt notwendig ist fehlt hier. Auch Arncken hat das 100-jährige Jubiläum hinter sich. Nicht ganz so lang, aber alteingesessen ist auch die Bäckerei Brunner an der Ecke Heesestraße. Etwas neuer, der einige Häuser weiter beheimatete Wasserpfeifenladen.

Heimat zahlreicher Künstler

In der Albrechtstraße wohnten auch bemerkenswerte Persönlichkeiten; im Haus Nr. 22 der Schriftsteller Adolph Heinrich Strodtmann (1829-1879) und der Sozialist Franz Mehring (1846-1919), in Nr. 28 die Schriftstellerin und Schauspielerin Käthe Kamossa, im Haus Nr. 30 der Astronom Otto Jesse (1838-1901), in Nr. 32 der Komponist und Organist Martin Grabert (1868-1951), in Nr. 41 der Schriftsteller Heinrich Sohnrey (1859-1948) und im Haus Nr. 105 der Maler Franz Müller-Münster (1867-1936).

von Andreas Koska

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