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Artikel vom 24.03.2007

BERLIN

Ein Spatziergang auf der „Mittenwalder”

Heimische Straßen in der Hauptstadt: wunderschöne Fassaden, eine berühmte Eckkneipe und Promis im Café

Das Dahmeland geht stellenweise mitten durch Berlin – auf den Straßenschildern mit Ortsnamen aus der Region. Die MAZ spazierte über die „heimischen Straßen“ in der Hauptstadt.

Mitten in einem gediegenen Kreuzberger Kiez, am Chamissoplatz, liegt die Mittenwalder Straße.

Als das alte Berlin aus allen Nähten platze wurde nach 1861 außerhalb der Stadtmauern ein neues Viertel im Süden Berlins angelegt. Viele Straßen sind nach Ortschaften südlich Berlins benannt. Die Mittenwalder Straße erhielt schon am 7. Dezember 1874 ihren Namen. Wer sie betritt, fühlt sich ins ausgehende 19. Jahrhundert zurückversetzt: wunderschöne, restaurierte Häuserfassaden dominieren die Straße. Die Geschäfte sind meist im Souterrain zu finden, egal ob Sexkino oder Spielzeugladen. Es gibt auch einen Laden für Wasserpfeifen. Der türkische Sportverein „Umutspor“ hat in der Mittenwalder seine Geschäftsstelle.

Spannend sind die Hinterhöfe. Exemplarisch ist sicherlich der in der Nummer 6. Im zweiten Hof gibt es ein italienisches Restaurant, das nur ein Menü je Abend anbietet. Eine Speisekarte gibt es nicht, da alle das gleiche Essen bekommen. Gleich nebenan befindet sich eine Moschee.

Dieser Abschnitt der Straße endet an der Blücherstraße und an einer Berliner Institution: der Eckkneipe „Molly Luft“. Molly Luft war als „dickste Hure Deutschlands“ berühmt. Nach ihrer Bordellkarriere eröffnete sie die Eckkneipe an der Mittenwalder. Südlich der Gneisenaustraße bietet sich dem Spaziergänger ein ähnliches Straßenbild wie im nördlichen Abschnitt, es gibt dort unter anderem ein kolumbianisches Restaurant.

Am Marheinekeplatz endet die Straße und der Spaziergang. Dort befindet sich eine der letzten vier erhaltenen Berliner Markthallen. Sie wird gerade restauriert. Die Händler haben auf dem Platz ein „Marktdorf“ aufgebaut. Es herrscht reges Treiben. Den warmen Märztag nutzen viele Passanten nicht nur zum Einkaufen. In den Cafés herrscht Hochbetrieb, die Tische auf den Straßen sind alle besetzt. An einem Tisch sitzt zufällig ein prominentes Paar – die Schauspieler Saskia Valencia und Helmut Zierl. Sie genießen die ersten warmen Son- nenstrahlen.

Mit dem Namen „Mittenwalde“ kann Zierl aber nichts anfangen. Er vermutet einen Ort in Schlesien.

Seine Begleiterin korrigiert ihn sofort. „Das ist doch ein kleiner Ort in Brandenburg“, sagt sie energisch. Saskia Valencia weiß sogar, dass es eine Autobahnabfahrt gibt. In Mittenwalde war sie aber noch nicht. Der Hauseigentümer Hermann Köhler ist zumindest schon einmal durch Mittenwalde durchgefahren. „Der Turm ist mir in Erinnerung geblieben“, berichtet er.

Wer noch Lust hat, sollte über die benachbarte Bergmannstraße schlendern, auf der sich ein Geschäft ans andere reiht. Auch der Kreuzberg ist nicht weit entfernt. Auf dem Gipfel mit „Befreiungsdenkmal“ hat man einen wunderbaren Blick auf Berlin.

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