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Artikel vom 12.04.2007

Am schönsten Wasserfall Berlins

MAZ-Serie: Zossen und Umgebung in der Hauptstadt
Teil 2: Großbeeren- und Kleinbeerenstraße in Kreuzberg

In fast jedem größeren Ort Deutschlands findet man eine Berliner Straße. Und umgekehrt? Die hiesige Region ist immerhin 26mal auf Straßenschildern der Hauptstadt vertreten, Großbeeren dabei dreimal und Zossen zweimal. Als die neuen Bezirke Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen entstanden, war es Brauch, die Straßenzüge nach Heimatgegenden der eingesetzten Bauarbeiter zu benennen. Die MAZ stellt in loser Folge diese Straßen genauer vor. Heute: die Kleinbeerenstraße und die Großbeerenstraßen.

Die S-Bahn fährt unterirdisch. Am Anhalter Bahnhof, dem ehemals größten Fernbahnhof Berlins, kommen wir an die Oberfläche. Die Stresemannstraße verläuft an der ehemaligen Berliner Stadtmauer. Ein kleines Stück ist auf der Mittelinsel nachgebaut. Kurz hinter der Nachbildung zweigt am Ida-Wolff-Platz die Großbeerenstraße ab. Benannt wurde sie schon am 2. August 1864 in Erinnerung an die am 23. August 1813 gewonnene Schlacht bei Großbeeren. Straßen wie die parallel verlaufende Möckernstraße und die kreuzenden Wartenberg-, Hagelberger-, Horn- und Yorckstraße erinnern ebenfalls an die Napoleonischen Kriege.

Die rechte Seite der Großbeerenstraße beherrscht das Hochhaus der Postbank. Bis zum Halleschen Ufer nur dieses Gebäude. Entlang der Zufahrt zum Postbankhaus gelangen wir zur Kleinbeerenstraße. Da die beiden Straßen hier früher aufeinander stießen, kam es zu der Namensgebung. Der Besitzer der Baugrundstücke wollte die Straße nach dem preußischen Sieg in der Schlacht bei Sadowa 1866 benannt wissen, konnte sich aber nicht durchsetzen. Die 96 Schritte lange Kleinbeerenstraße zweigt jetzt an der Möckernstraße ab.

Im Souterrain der Großbeerenstraße 90 der Großbeerenkeller. Die Künstlerkneipe zwischen Hebbeltheater und Schaubühne ist eine Institution. Im Hofdurchgang ein Gemälde des Potsdamer Platzes, in der Kneipe eine Fotogalerie der berühmten Besucher, von A wie Hans Albers über Goetz George, Inge Meysel, Rudolf Platte bis Z wie Frank Zander. Das moderne Haus des ehemals führenden deutschen Theaters „Schaubühne am Halleschen Ufer“ wird jetzt von HAU 2 genutzt. Die Schaubühne zog zum Lehniner Platz am Kurfürstendamm. HAU steht für die Bühnengemeinschaft „Hebbel am Ufer“ mit dem Schwerpunkt Tanz.

Weiter geht es gleichzeitig über und unter einer Brücke. Über uns die U-Bahn, die hier als „Magistratsregenschirm“ überirdisch in Richtung Warschauer Straße durch Kreuzberg führt. Berühmt wurde diese U-Bahn-Strecke als „Linie 1“ mit dem gleichnamigen Musical. Unter uns der Landwehrkanal. Er beginnt an der Spree am Osthafen und endet an der Spree am Charlottenburger Tor.

Hinter der Großbeerenbrücke beeindrucken die Gründerzeithäuser. Sie haben meist stuckgeschmückte Fassaden. Einige der Häuser stehen unter Denkmalschutz. Die Nummern 10, 11 , 13, 13a und 14 sind ganz besonders schöne Beispiele. Gegenüber ist in der Nummer 71 die Hinterhofanlage denkmalgeschützt. Dort treffe ich Annerose Klein, sie weiß, dass Großbeeren südlich Berlins liegt, war aber noch nicht da.

Nancy Fischer ist Schaufensterdekorateurin. Sie fotografiert gerade ihr fertig gestelltes Werk, einen Birkenwald im Apothekenschaufenster. Dass Großbeeren ein brandenburgischer Ort ist, weiß sie nicht auf Anhieb. Die Großbeerenstraße war in ihrer Anfangszeit eine gehobene Stadtgegend. Schriftsteller Karl Gutzkow, die Architekten Franz Schwechten und Wilhelm Cramer sowie der Politiker Friedrich von Holstein wohnten hier.

Exklusives Wohnen soll auch heute wieder hier Einzug halten. Das 1859 erbaute Gertrauden-Krankenhaus an der Ecke Wartenburgstraße ist zur St.-Gertraud-Villa umgebaut worden, eine Eigentumswohnungsanlage.

Einige Spezialitätenlokale, wie das ägyptische Sehraya oder indische und türkische Restaurants säumen den Weg, dazu fantasievolle Geschäfte. „Eat man drink women“ beliefert Feste und Feiern, „Hifi im Hinterhof“ hat inzwischen vier Ladengeschäfte bezogen, die Künstlerin Birgitt Darley bietet von ihr gestaltetes Porzellan an.

An der Ecke Yorckstraße kommt das Rathaus des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg in Blick. Dort regiert der einzige „grüne“ Bürgermeister der Stadt, Franz Schulz. Die Grünen erreichten in diesem Kiez mehr als 30 Prozent der Stimmen.

Von dort aus ist schon der Kreuzberg mit dem Schinkelschen Befreiungsdenkmal zu sehen. Das Geschwisterchen des Denkmals steht in Großbeeren. Auf dem Kreuzberg bietet sich im Sommer, wenn der künstliche Wasserfall plätschert, ein malerisch eindrucksvolles Bild. Die Wassermassen tosen eine Bergschlucht hinunter, gerade in der Verlängerung der Großbeerenstraße.

Im El Maximon kann man sich mit spanischen, portugiesischen und lateinamerikanischen Produkten eindecken, daneben im „Weinklang – el gitarra y el vino“ Tango lernen und zu südamerikanischen Klängen Wein trinken. Fast alle Lokale sind im Souterrain gelegen, eine alte Berliner Tradition.

Gegenüber, im Viertel zwischen Großbeerenstraße, Hagelberger- und Yorckstraße, ist der Besuch der Wohnanlage Riehmers Hofgarten ein Muss. Das gründerzeitliche Wohnensemble wurde 1880 bis 1899 errichtet. Die Fassaden sind originalgetreu renoviert. Dort wohnten Offiziere, Beamte und Kaufleute.

Nur noch ein paar Schritte, entlang der Charlotte-Salomon-Grundschule und wir sind am Kreuzberg. Ein Spaziergang über die Grünanlage lohnt. Der Sonnenuntergang vom Schinkeldenkmal aus ist einmalig. Von dort hat man auch einen imposanten Ausblick auf die Berliner Innenstadt. Danach ein Kaffee im „Golgatha“, dem angesagten Bierlokal auf dem Berg, beschaulich im Grünen. Etwas rummeliger geht es dort bei den „Kreuzberger Festtagen“ zu, einem Karussellvergnügen für die ganze Stadt.

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