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Artikel vom 10.05.2007

Im Zentrum von Neubritz

Teil 5 der MAZ-Serie: die Glasower Straße in Neukölln

In fast jedem größeren Ort Deutschlands findet man eine Berliner Straße. Und umgekehrt? Die hiesige Region ist immerhin 26-mal auf Straßenschildern der Hauptstadt vertreten. Die MAZ stellt in loser Folge diese Straßen genauer vor. Heute: die Glasower Straße in Neukölln.

Auf dem Balkon eines der wenigen Wohnhäuser in der Glasower Straße weht immer noch die Deutschlandfahne. Ein Überbleibsel der Fußball WM im vergangenen Jahr. Die Glasower Straße liegt im Süden Neuköllns, kurz vor der Grenze nach Britz. Sie verbindet die Hermannstraße und die Karl-Marx-Straße, die beiden wichtigsten Einkaufsstraßen des Bezirks. Die Straße wurde um 1878 nach Glasow benannt. In der Umgebung gibt es noch weitere Straßen, die nach Ortschaften im Süden Berlins benannt worden sind.

Hier haben sich vor allem Industriebetriebe angesiedelt. Die meisten gibt es nicht mehr. Die Gebäude werden inzwischen anders genutzt. Mit dem Bau des Britzer Tunnels und der Verlängerung des Berliner Autobahnstadtringes kam es auch hier zur Veränderungen. Die Gegend um die Glasower Straße wurde zum Sanierungsgebiet.

„Als wir die Betreuung des Gebiets als Koordinatoren übernahmen, galt es, einen griffigen Namen zu finden. Wir erinnerten uns an die Anfänge der Bebauung in dieser Gegend. Damals wurde der fast vergessene Begriff „Neubritz“ benutzt“, erzählt Alexander Matthes von der Brandenburgischen Stadterneuerungsgesellschaft. Als Carl Weder das Gebiet parzellierte, wollte er Arbeitern preiswerte Wohnungen im Grünen anbieten und Britz klang eher nach Dorf als Rixdorf. Rixdorf war der damalige Name Neuköllns und war bekannt für seine Mietskasernen mit bis zu sechs Hinterhöfen. Im Rahmen der Sanierung wurde die Straße asphaltiert und fußgängerfreundlich umgestaltet. Durch Querparkplätze wurde sie insgesamt schmaler. Der Durchgangsverkehr soll dadurch zurückgegangen sein.

Von der Hermannstraße aus kommend fällt auf der linken Seite ein Industriegebäude auf. Aus dem damals typischen roten Klinker errichtet, ist auf dem Giebel „Eisenwerk Franz Weeren“ zu lesen. Hier wurden unter anderem Glocken gegossen. Den Klang kann man noch immer vom Turm der Staakener Kirche hören. Das Firmenarchiv konnte gerettet werden und befindet sich heute im Deutschen Technik Museum. In den Fabrikhallen ist jetzt ein Supermarkt untergebracht.

Der Fabrikbesitzer wohnte direkt am Werk. In seiner Villa wird jetzt Bier gebraut. Das „Brauhaus Rixdorf“ ist eine Gasthausbrauerei mit einem wunderschönen Biergarten. Nur ein paar Schritte weiter entsteht, ebenfalls in einem ehemaligen Industriegebäude, das Jugendberatungshaus. Unter der Regie vom Neuköllner Netzwerk Berufshilfe werden hier Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben begleitet und unterstützt. Daneben gibt es ein Internetcafé und Freizeitangebote.

Die „W. Quandt Dachpappenfabrik“ ist das einzige Unternehmen, das immer noch hier produziert. Die „Elefantenhaut“ ist eines der wichtigsten Produkte der Firma. Kein Wunder, dass die Fabrik den Elefanten im Logo führt. Die Firma wurde schon 1868 gegründet. Als der Berliner Zoo 1998 über den Erwerb eines neuen Elefanten nachdachte, spendete die Quandt Dachpappenfabrik rund 37 000 Euro für die Anschaffung des Tieres.

An der Ecke Karl-Marx-Straße steht das einzige unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Die reich geschmückte Fassade, mit Erkern und dem beherrschenden Türmchen, fällt sofort ins Auge. Es wurde 1900 von Hermann Siegenthaler als Wohn- und Geschäftshaus gebaut.

Alexander Matthes ist sich sicher, dass Glasow ein Ort sein müsste, wo genau kann er aber nicht sagen. Er empfiehlt aber einen Spaziergang durch den neu angelegten Carl-Weder Park.

Wer die U-Bahn für die Rückfahrt nutzt, sollte im Treppenhaus des Bahnhofs Hermannstraße auf die erhaltenen Inschriften achten. Hier befand sich im Zweiten Weltkrieg ein Bunker in dem bis zu 477 Personen Platz finden konnten.

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