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Artikel vom 24.05.2007

MAHLOW/KÖPENICK

Zwischen vorgestern und heute

Teil 6 der MAZ-Serie: Mahlower Straße in Köpenick

In fast jedem größeren Ort Deutschlands findet man eine Berliner Straße. Und umgekehrt? Die hiesige Region ist immerhin 26-mal auf Straßenschildern der Hauptstadt vertreten. Die MAZ stellt in loser Folge diese Straßen genauer vor. Heute: die Mahlower Straße in Köpenick.

Irgendwie scheint es, als ob sich die Mahlower Straße in Köpenick zwischen der DDR-Vergangenheit und der Gegenwart nicht entscheiden könnte. Schon an der Glienicker Straße, wo sie beginnt und endet, fällt es ins Auge – rechts noch ein Straßenschild aus der Zeit als Hauptstadt der DDR, rechts eines aus der Gegenwart als Hauptstadt der BRD. Die einen Häuser mit in Grün-, Gelb- und Blautönen angestrichenen Fassaden, mit wunderbar renovierten Treppenhäusern und Innenhöfen, die allen offen stehen.

Die anderen im DDR-Plattenbaugrau, mit verschlossenem Innenbereich. Dazwischen etwas Verfall. Nach Süden hin sollte wohl einmal ein Dienstleistungswürfel mit Poliklinik entstehen. Mit der Wende wurden die Bauarbeiten eingestellt, und so sieht der Rohbau jetzt auch aus, verwahrlost, eine Ruine.

Dahinter erstreckt sich ein Biotop, durch einen Zaun geschützt, eine Feuchtwiese, die fast bis zum Flüsschen Dahme reicht. Durch die Wiese verläuft der Vollkropfgraben.

An die Grünfläche grenzt die „Kleingartenkolonie Klondike“. Der Name erinnert viel weniger an die Idylle, die hier zu herrschen scheint, als vielmehr an die Goldgräberzeiten. Vielleicht hängt der Name mit der reichhaltigen Gemüseernte und deren Veräußerung in früheren Zeiten zusammen. Daran, dass Kolonie ehemals Kleingartensparte hieß, erinnert noch das Vereinsheim „Spartenheim“, hier kann der Name weiter leben. Die Idylle trügt, die Kolonie ist in das „Bodenbelastungskataster des Landes Berlin“ eingetragen. Es wird empfohlen, nichts anzubauen und das Angebaute nicht zu verzehren.

Vielleicht war hier früher ein Industriebetrieb oder eine Müllkippe. Ein einziges Überbleibsel aus der Zeit vor der Wohnbebauung steht noch am Rande eines der Innenhöfe. Eine alte, verlassene Tischlerei, mit einem ungewöhnlichen Schornstein. Alles abgeschlossen und verriegelt, auf dem Hof ein Elektroauto, zwei Boote und ein Wohnwagen, alle haben schon Patina angesetzt, dazu viel Müll und Dreck. Im Kontrast dazu steht eine kleine, sauber hergerichtete Ruheecke, mit Sitzbank und Blümchenrabatten. Eindeutig zu dem Tischlereigebäude gehörig und doch im Verhältnis unwirklich. Die Bebauung stammt aus dem Anfang der 80-er Jahre, Vier- bis Fünfgeschosser, entlang der Straßenflucht, geschlossene Blöcke bildend. Für Taxi- und Krankentransportfahrer ein Albtraum. Der Straßenverlauf ähnelt einem Vierzack. Von der Glienicker Straße bis zur Glienicker Straße mit zwei Stichstraßen dazwischen – alles Mahlower Straße.

Erst mit der Fertigstellung der jetzt stehenden Wohngebäude wurde der Name verliehen, am 31. März 1989 war es soweit. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Bernd Wandrey schon drei Jahre hier. Der pensionierte Fernsehelektroniker schätzt die Nähe zur Köpenicker Altstadt und die damit verbundenen guten Einkaufsmöglichkeiten. Als er 1986 hierher zog, hatte er noch Bedenken gehabt, die Straße hatte keinen guten Ruf. Er genießt inzwischen die Ruhe in der Köllnischen Vorstadt, wie die Gegend offiziell heißt. In Mahlow hat er früher einen Garten besessen, so ist er dem namengebenden Ort verbunden. Als er 1991 nach einem Bulgarienurlaub seine Entlassungspapiere erhielt, musste er den Garten aufgeben.

Auch heute zieht man offen sichtlich nicht mehr so gerne hierher, in beiden Teilen stehen Wohnungen leer. Die Vermieter locken mit drei Monaten mietfrei Wohnen, die Infrastruktur ist da, sogar einen Kindergarten samt Krippe gibt es in der Anlage.

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