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Artikel vom 31.05.2007

Grüne Linden und Otto Lilienthal

Teil 7 der MAZ-Serie: eine weitere Großbeerenstraße in Berlin – diesmal in Lichterfelde

In fast jedem größeren Ort Deutschlands findet man eine Berliner Straße. Und umgekehrt? Die hiesige Region ist immerhin 26-mal auf Straßenschildern der Hauptstadt vertreten. Die MAZ stellt in loser Folge diese Straßen genauer vor. Heute: die Großbeerenstraße, diesmal nicht in Kreuzberg, sondern in Lichterfelde.

Es ist nicht ganz einfach, die Großbeerenstraße in Lichterfelde zu erreichen. Etwas versteckt liegt die kleine Straße zwischen den S-Bahnhöfen Lichterfelde-Ost und Osdorfer Straße am malerischen Saaleckplatz. Hier muss Otto Lilienthal auf dem Weg von seinem Wohnhaus zum Fliegerberg regelmäßig vorbeigekommen sein. Die Brüder Otto und Gustav Lilienthal wohnten beide in Lichterfelde, Gustav in Lichterfelde-West, Otto in Ost. Beide waren von der Fliegerei fasziniert. Nach den ersten erfolgreichen Flugversuchen in Derwitz bei Groß Kreutz, ließen die beiden am Rande von Lichterfelde einen Berg aufschütten. Hier, in der unmittelbaren Nähe zu seinem Wohnhaus, machte Otto die meisten Flugversuche. Erst als die Flüge immer länger wurden, zog es ihn nach Stölln bei Rhinow, wo er tödlich verunglückte. Am Lichterfelder Fliegerberg in der Schütte-Lanz-Straße, befindet sich heute eine Gedenkstätte, die an die beiden Flugpioniere und ihre Mitarbeiter erinnert.

Die Großbeerenstraße in Lichterfelde ist knapp 200 Meter lang. Sie ist eine reine Wohnstraße in einer gut bürgerlichen Wohngegend. Kleine Landhäuser verstecken sich hinten den üppigen Linden, die die gesamte Straße säumen. Nur die beiden Villen an der Ecke zum Saaleckplatz stammen aus der Zeit der Benennung der Straße.

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Mehrfamilienhäuser aus den 1950er- und 1960er-Jahren säumen ein Teilstück der Straße.

Ganz genau lässt sich der Zeitpunkt nicht mehr bestimmen. Seit 1893 ist der Name auf jeden Fall aktenkundig. Zu diesem Zeitpunkt war der Gründer der Kolonie Lichterfelde, Johann Wilhelm Carstenn, schon pleite. Um solvente Bewohner in den Ort zu holen, bot er Kaiser Wilhelm I an, die Hauptkadettenanstalt auf eigene Kosten zu errichten. Gleichzeitig wurde auch die erste elektrische Straßenbahn von Siemens & Halske in Lichterfelde in Betrieb genommen. Carstenn wurde zwar für seine Verdienste geadelt und durfte sich fortan von Carstenn-Lichterfelde nennen, seine finanziellen Möglichkeiten waren aber erschöpft. Auch der halbrunde Saaleckplatz und die strahlenförmig von ihm abgehenden Straßen, darunter die Großbeerenstraße, waren seine Schöpfung.

Hinter der Kaiserstraße findet man Mehrfamilienhäuser aus den 1950-er Jahren. Gärtner und Handwerker sind die einzigen, die man auf der Straße in den Mittagsstunden trifft. Die Bewohner sind gesetzten Alters. Die meisten wohnen seit Jahrzehnten hier. Die Spielplätze auf den großen, grünen Höfen sehen unbenutzt aus, dafür haben die Autos den Raum für sich erobert.

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Kleine Landhäuser verstecken sich hinter Bäumen und Sträuchern.

Das einzige Geschäft befindet sich an der Ecke zum Saaleckplatz. Es ist eine Chemische Reinigung. Hinter dem Tresen steht Vladimir Gorodinsky. Der gebürtige St. Petersburger betreibt seit mehr als 15 Jahren das Geschäft. „Ich fühle mich wohl hier“, sagt er. „Die meisten Kunden sind ältere Menschen. Freundlich und kultiviert“, fügt er hinzu. Früher war er häufiger in Großbeeren, hier befand sich seine Autowerkstatt. Im zweiten Teilstück der Straße stehen einige Mehrfamilienhäuser aus den 1960-er Jahren.

Die zweite von uns vorgestellte Großbeerenstraße ist eher gemütlich als spektakulär, sie ist allerdings nicht die letzte, die wir besuchen, denn auch zwischen Mariendorf und Marienfelde gibt es eine weitere Großbeerenstraße.

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