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Artikel vom 08.06.2007

Mit der Straßenbahn unterwegs

Teil 8 der MAZ-Serie: die Zossener Straße in Hellersdorf

In fast jedem größeren Ort Deutschlands findet man eine Berliner Straße. Und umgekehrt? Der ehemalige Kreis Zossen ist immerhin 26-mal auf Straßenschildern der Hauptstadt vertreten. Die MAZ stellt diese Straßen in loser Folge genauer vor. Heute: die Zossener Straße in Hellersdorf.

„In Würdigung der Leistungen der Wohnungsbaukombinate soll das Straßennetz nach Namen von Städten, Gemeinden und landschaftlich reizvollen Gegenden der die Bauleute entsendenden Bezirke der DDR benannt werden“, hieß es in einer Verordnung Anfang der 1980-er Jahre. Die Erbauer von Hellersdorf Nordost wurden vom Baukombinat des Bezirks Potsdam hierher „delegiert“. Und so verwundert es nicht, dass am 2. Juli 1987, also vor fast genau 20 Jahren, die Michendorfer, Luckenwalder, Ludwigsfelder und eben auch die Zossener Straße dort ihren Namen erhielten.

Die Häuser zwischen der Stendaler Straße und Landsberger Chaussee sind bis zu elf Stockwerke hoch. Die einzelnen Blöcke bilden grüne Innenhöfe, sie werden von Wohnungsbaugenossenschaften Grüne Mitte, Stadt und Land oder Neues Wohnen Hellersdorf verwaltet. Der Leerstand scheint hoch zu sein, teilweise wird abgerissen.

Mit Werbekampagnen versucht man neue Mieter zu locken: „Nestbau leicht gemacht“, wird propagiert. Hilft das nicht, wird eine Drei- Raum-Wohnung mit „1 Jahr mietfrei wohnen“ feilgeboten. Dabei sind die Wohnungen nicht gerade billig zu nennen. In der Zossener Straße 1 etwa muss man für drei Zimmer auf 66,20 Quadratmetern mit „Raufaser weiß, gefliestes Bad mit Wanne, Küche mit Fenster(?!), Teppichboden, neue Wohnungseingangstür, Aufzug“ stolze 468,66 Euro berappen. 60 Hausnummern weiter werden für 75 Quadratmeter ohne Lift 560 Euro fällig. Auch eine Gästewohnung steht für die Mieter der Genossenschaft Grüne Mitte in der Zossener Straße bereit. Dort können Besucher und Gäste der Bewohner bequem nächtigen.

Dabei wird die Infrastruktur heruntergefahren. Vieles wird nicht mehr benötigt, es gibt immer weniger Kinder in der Plattenbausiedlung. Eine Kita wurde schon abgerissen, eine andere steht kurz davor. Aus einer weiteren wurde ein „Mutter-Kind-Projekt“ und eine vierte wird als einzige, von einem freien Träger, betrieben. Vor einem Dienstleistungswürfel steht gerade der Abrissbagger, direkt daneben bittet ein neuer Discounter zum Einkauf.

Die ganze Straße lässt sich im Schnelldurchlauf am besten mit der Straßenbahn erkunden. Mit der M6 oder der 18 kommt man bequem vom U-Bahnhof Hellersdorf dorthin und durch. Die Tram braucht fünf Stationen und sechs Minuten durch die Zossener Straße. Immer durch die Mitte der breiten, aber fast menschenleeren und nicht allzu stark befahrenen Straße.

Die Gleise wurden am 1. Mai 1991 als letzte Neubaustrecke unter BVB-Regie feierlich übergeben. „Die gesamte Strecke verläuft durchgängig auf bahneigenem Gleiskörper in Mittellage“ vermeldete ein offizielles Bulletin. Vielleicht wird ob der sonstigen Tristesse versucht, für Kinder und Jugendliche attraktiv zu sein. An der Ecke Mittenwalder Straße wurde ein wunderbarer Spielplatz mit einer Halfpipe für Skater errichtet.

Entlang des Flüsschens Wuhle gibt es einen Abenteuerspielplatz. Sämtliche Mauern dürfen von Sprayern für Übungszwecke genutzt werden. Stan von der Gruppe Metropol versucht sich gerade an einem neuen Entwurf. Er ist mit der Arbeit nicht zufrieden, „immer wenn jemand zuguckt, klappt es nicht“ schimpft er. Dabei würde der Azubi gern damit Geld verdienen. Er und seine zuschauenden Kumpel rätseln über den Straßennamen: „Zossen, eine Stadt in Sachsen oder im Westen – keine Ahnung“, so sind die Antworten.

Da, wo der Spielplatz endet, beginnt das Hellersdorfer Teilstück des Wuhle-Wanderweges. Richtung Süden sind es noch 12,1 Kilometer bis zur Mündung des Flüsschens in die Spree in Köpenick. Nach Norden kann man noch 3,3 Kilometer bis an die Berliner Grenze in Ahrensfelde wandern. Diese Grenze hat man an der Landsberger Chaussee ebenfalls erreicht, auf der anderen Straßenseite beginnt Brandenburg, der Bürgersteig liegt schon im Örtchen Eiche.

Am anderen Ende der Zossener zog es bis vor zwei Jahren viele Berliner zur Ecke Stendaler Straße: Von 1994 bis 2005 hatte dort das Freiluftlichtspieltheater mit dem wunderbaren Namen „Balkonkino Hellersdorf“ sein Domizil. Bei freiem Eintritt konnten im Sommer samstagabends auf einer Leinwand die neusten Kinostreifen geguckt werden. Sitzgelegenheiten musste jeder selbst mitbringen, ausdrücklich erwünscht war gucken von den Balkonen der Neubauten.

Das Kino ist jetzt einige Ecken weiter gezogen. Wie so vieles hier.

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