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Artikel vom 08.01.2007

Behutsam in die neue Kanzel

Übergabe als Auftakt für Jubiläumsjahr der Damelanger Kirche

„Sie schienen noch etwas unsicher beim Hochgehen auf die neue Kanzel“, sagte der Superintendent des Kirchenkreises Lehnin-Belzig, Uwe Teichmann, in seinem Grußwort in Richtung des Gemeindepfarrers Jens Maiburg. Tatsächlich schritt der Geistliche ganz behutsam die zehn Stufen bis in die neue Kanzel hinauf.

Dies darf nicht verwundern, war es doch eine Premiere. „Es ist etwas ganz Besonderes, zum ersten Mal eine Kanzel zu betreten“ war dann auch seine Antwort. Der Gottesdienst am Sonnabend eröffnete nicht nur das 125. Jubiläumsjahr der Damelanger Kirche, sondern war auch der Einweihung und der Übergabe der neuen Kanzel gewidmet.

Der 37-jährige Zimmerer Thomas Schwäbe aus Damelang hat ein Meisterwerk geliefert. Aus Kiefernholz hat er innerhalb von zwei Monaten ausschließlich in seiner Freizeit eine schlichte und damit um so beeindruckendere Kanzel gebaut. Er orientierte sich dabei an alten Bauvorlagen. Als sein Neffe, Oliver Notzke, der in der Gemeinde aktiv ist, an ihn mit der Frage herantrat, ob er helfen könne, antwortete er nur bescheiden „könnte ich mir vielleicht vorstellen“ und machte sich an die Arbeit. Seine Frau und die beiden Kinder unterstützten ihn bei diesem Entschluss. Gebaut wurde dann zu Hause. Sein Vater Alfred, ebenfalls Zimmermann, ging ihm zur Hand. Robert und Oliver Notzke waren als „Handlanger“ aktiv. In nur 14 Arbeitstagen wurde die Kanzel errichtet. In der Kirche wurden dann die einzelnen Teile des achteckigen Stückes zusammengesetzt. Die Felder sind mit Kassetten verziert. Ein Lesepult schmückt in 2,50 Meter Höhe die Umrandung. Seine Arbeit hat Schwäbe der Gemeinde nicht in Rechnung gestellt. Bürgerschaftliches Engagement für sein Dorf ist für ihn selbstverständlich.

Trotzdem wäre die Aufstellung fast gescheitert. Die Denkmalschutzbehörde meldete Bedenken an. Die Aufstellung ist nur vorläufig genehmigt. Deshalb ist auch der Satz aus dem Richtspruch, den Thomas Schwäbe in Zunftkleidung vortrug, verständlich. Er sagte „Ich hoff’, dass sie nicht wieder so zeitig von hier muss weichen, sondern man noch in vielen Jahren von dort oben hört von Gottes Zeichen“.

Ähnlich haben es auch die Gottesdienstbesucher, zu denen auch der Brücker Amtsdirektor, Christian Großmann, und einige Gemeindevertreter gehörten, gesehen. Die Kirche war zum Bersten voll, die Kirchenbänke haben nicht alle der fast 120 Gäste aufnehmen können.

Jens Maiburg glaubt fest daran, dass die Kanzel bleiben kann. Im Namen der Gemeinde dankte er dem Erbauer und überreichte Thomas Schwäbe eine goldfarbene Taschenuhr. Auf dem Deckel des dekorativen Stückes ist eine Kirche eingraviert.

Vor dem neuen Altarbild, dass aus der aufgegebenen Kirche in Briest stammt, stimmte der Chor „Liederkranz“ zum Abschluss das Lied „Freu dich Erd und Sternenzelt“ an.

Danach durfte sich der Kanzelerbauer Thomas Schwäbe bei Kaffee und Kuchen im Damelanger Gemeindehaus weiter feiern lassen.

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