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Artikel vom 06.03.2007

Bahnhofschlussverkauf läuft

Nur 20 ihrer rund 150 Objekte im Land Brandenburg will die Bahn behalten
von ANDREAS KOSKA und FRED HASSELMANN

Was Bahnhofsmanager Thomas Hesse bei einem Vor-Ort-Termin auf dem Belziger Bahnhof im Vorjahr fast nebenbei erwähnte, wird nun auch durch offizielle Verlautbarungen der Deutschen Bahn AG gestützt: Das Belziger Bahnhofsgebäude ist entbehrlich. Im Klartext: Es soll verkauft werden. Schwacher Trost: Es steht nicht allein auf der Ausverkaufsliste. Wie aus einem der MAZ vorliegenden Schreiben hervorgeht, sollen von den mehr als 150 in Bahnbesitz befindlichen brandenburgischen Bahnhöfen nur noch 20 weiterhin von der Bahn selbst betrieben werden. Dazu gehören elf Bahnhofsgebäude, die gleichzeitig auch von der Berliner S-Bahn genutzt werden, wie Babelsberg, Griebnitzsee oder Königs Wusterhausen.

Neben dem Hauptbahnhof in Potsdam werden auch die Bahnhöfe in Eberswalde, Lübben, Angermünde, Cottbus, Elsterwerda, Prenzlau und Frankfurt/Oder weiterhin Bahneigentum bleiben.

In der hiesigen Region werden nach Informationen der MAZ perspektivisch voraussichtlich sämtliche Bahnhofsgebäude den Besitzer wechseln. Das im Internet nachlesbare Immobilienangebot der Bahn listet die neu hinzukommenden Gebäude jedoch noch nicht auf. Als einziges Bahnhofshäuschen wird dort im Augenblick der an der stillgelegten Strecke nach Niemegk liegende Bahnhof Dahnsdorf angeboten. Doch auch die Bahnhöfe in Borkheide, Brück, Baitz, Belzig, Wiesenburg sowie Treuenbrietzen sollen veräußert werden. Ebenso der Hauptbahnhof in Brandenburg/Havel.

Ungewiss scheint bislang das Schicksal der Bahnhofsgaststättenbetreiber und anderer Nutzer bei einem Besitzerwechsel. Den Kommunen, so heißt es, soll ein Vorkaufsrecht eingeräumt werden: „Wir haben alle Kommunen angeschrieben“, sagt Wolf-Dieter Siebert, der Vorstandsvorsitzende der DB Station & Services AG. Allerdings hatte die Stadt Belzig nach Aussagen der amtierenden Bürgermeisterin Hannelore Klabunde bis zum 22. Februar noch keine Kenntnis eines solchen Schreibens. Ohnehin wird es nicht nur der Stadt Belzig angesichts der schwierigen finanziellen Lage schwer fallen, die angebotenen Objekte zu erwerben.

Unterdessen hat der anstehende Ausverkauf märkischer Bahnhöfe bereits zu heftigen Kontroversen auf politischer Ebene geführt. Nicht nur das Bündnis „Bahn für Alle“ kritisiert die Pläne scharf, auch die Linkspartei forderte inzwischen von Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) im Verkehrsausschuss des Landtages umfassende Aufklärung. Dass er zu diesem Zeitpunkt angeblich noch nichts von den Verkaufsplänen wusste, deutet die Opposition als „schlechte Zusammenarbeit des Ministeriums mit der Bahn AG“.

Nicht nur die Verkehrsexpertin der Linkspartei, Anita Tack, glaubt indes, dass die Bahn mit dem Bahnhofsverkauf ihren Börsengang vorbereitet. Minister Dellmann räumte laut Zeitungsberichten ein, dass im Falle von tatsächlichen Verkäufen die bisher für deren Sanierung eingesetzten Steuergelder von der Bahn zurückgefordert würden. Immerhin sollen dafür in 15 Jahren rund 250 Millionen Euro investiert worden sein.

Hauptargument der Bahn für diesen Ausverkauf: Die Einrichtungen lassen sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Das Personal wurde aus den Gebäuden abgezogen. In vielen Fällen werden die Bahnhöfe für den Zugbetrieb nicht mehr benötigt.

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