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Artikel vom 02.04.2007

Fläming gegen den Trend

Diesmal keine Felder für Bestellung mit verändertem Saatgut angemeldet

Der Fläming stellt sich dem Trend entgegen. Das geht aus dem Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hervor.

Die dort anzumeldende Fläche für gentechnisch veränderten Mais hat sich in diesem Jahr nach Mitteilung des größten Saatgutproduzenten, der Monsanto GmbH von 1000 Hektar im vergangenen Jahr auf fast 3800 Hektar 2007 vergrößert. Mit beinahe 2000 Hektar ist das Land Brandenburg wieder Spitzenreiter. Mehr als die Hälfte des gesamten Anbaus findet somit in der Mark statt. Davon befinden sich 950 Hektar im Landkreis Märkisch-Oderland. Für den Landkreis Potsdam-Mittelmark liegt in diesem Jahr keine Registrierung vor. 2006 wurden in der Übersicht noch eine Versuchsfläche der Biologischen Bundesanstalt in Dahnsdorf und ein Acker in Brück, der freilich nicht in geplanter Form bestellt worden ist, geführt.

Der Rückzug kann wohl nicht zuletzt auf den Widerstand der Initiative „Felder ohne Gentechnik – FläminGENein“ zurückgeführt werden. Im September 2006 hatten sich in Deutsch Bork 20 Landwirte offiziell zu der Initiative zusammengeschlossen. Inzwischen gehören ihr über 40 konventionell und ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe von Görzke bis Dahme und von Potsdam bis Lutherstadt Wittenberg an. Die von ihnen beackerte Fläche umfasst mehr als 14 000 Hektar. Auch Imker, Pilzzüchter und Hotels haben sich dem Bündnis angeschlossen. Volker Rottstock, Ökobauer aus Deutsch Bork, betont neben der ökologischen Komponente die Bedeutung für den Tourismus. „Da die meisten Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen, werden sie weiterhin in den Fläming kommen, hier essen und einkaufen“ glaubt er.

Dieses sieht Heide Ullich aus Berlin genauso. Seit Jahren ist sie Kundin von Volker Rottstock, sowohl auf Berliner Märkten als auch vor Ort. „Ich kaufe die Lebensmittel ausschließlich aus ökologischem Anbau, deshalb nehme ich gern auch längere Wege in Kauf.“ Sie bekennt sich auch dazu, durch den Aufkleber „FläminGENfrei“ an ihrem Auto.

Monsanto-Sprecherin Ursula Lüttmer-Ouzane nennt es „umweltschonenden Schädlingsschutz“. Umwelt- und Verbraucherschützer führen Gesundheitsrisiken an. Eine Untersuchung französischer Wissenschaftler soll ergeben haben, dass die Gen-Maissorte Mon863 zu Schädigungen an Leber und Nieren bei mit dem Getreide gefütterten Ratten geführt hat. „Dieser Mais muss sofort vom Markt genommen werden“ sagt Christoph Then, Fachmann der Umwelt-Organisation Greenpeace. Auch Imker klagen gegen den Anbau, da der Honig durch genveränderten Pollen kontaminiert werden kann und dadurch unverkäuflich wird.

Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) hat sich inzwischen gegen eine weitere Ausdehnung der Gentechnik in der märkischen Landwirtschaft ausgesprochen. Sorgen bereitet der „FläminGENfrei“- Initiative unter diesem Aspekt mehr denn je eine angekündigte Anmeldung im Baruther Ortsteil Klasdorf. Dort soll Anfang Mai auf einer Fläche von 8 Hektar die Gen-Maissorte MON 810 ausgesät werden. Das „Brandenburger Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft“ hat angekündigt mit dem Betreiber des Feldes zu sprechen, wie der Pressesprecher Thomas Janoschka mitteilt. Es wäre die einzige Anmeldung im Landkreis Teltow-Fläming.

Dass der Hohe Fläming wieder Gen-Mais frei ist, führt Volker Rotstock auf die gute Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zurück. Die Initiative war sowohl beim Kaltblutrennen „Titanen der Rennbahn“und beim Erntefest des Kreises Potsdam-Mittelmark in Brück als auch bei der Internationalen Grünen Woche in Berlin präsent.

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