Übersicht der MAZ-Artikel anzeigen

Artikel vom 29.06.2007

Breitbandatlas bestätigt die dünne DSL-Ausstattung hier zu Lande

Weiße Flecken

Wer den „Breitbandatlas der Bundesregierung“ betrachtet, wird zwangsläufig an alte Atlanten erinnert. Noch im 19. Jahrhundert wiesen sie viele weiße Flecken auf. „Terra incognita“ – das unbekannte Land. So ähnlich ist es in dem Dokument, wenn der Fläming unter die Lupe genommen wird.

Anschluss an DSL vorerst nicht möglich. Zwar gibt es bis zu 34 Anbieter, aber nicht in Planebruch oder Planetal. Ob Cammer, Freienthal, Klepzig oder Grubo – die schnelle Internetverbindung ist hier zu Lande nicht abrufbar.

Die Bundesregierung ist stolz darauf, dass inzwischen 97 Prozent der Haushalte die Möglichkeit haben im weltweiten Netz auf der „Datenautobahn“ unterwegs zu sein. Für einige bleibt es nur ein Feldweg. Dirk Borgwardt aus Damelang hat inzwischen eine Unterschriftenliste in seinem Dorf initiiert (die MAZ berichtete), er will zeigen, dass das Interesse da ist. Der Geschäftsmann ist auf die Internetkommunikation angewiesen. Elke Wernitz baut gerade ihr Haus in Cammer aus. Die selbstständige Qualitätsmanagerin schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als sie hört, dass das Breitband im Dorf nicht zur Verfügung steht. „Ich bin darauf angewiesen, meine gesamte Korrespondenz läuft per E-Mail, bei den großen Datenmengen brauche ich DSL“, sagt auch sie.

Telekom-Pressesprecher Jürgen Will argumentiert mit der Wirtschaftlichkeit. „T-Com investiert jährlich dreistellige Millionenbeträge in den weiteren DSL-Netzausbau, achtet aber darauf, dass mit den Summen verantwortungsbewusst umgegangen wird.“ Er empfiehlt Interessenten, sich unverbindlich und kostenlos registrieren zu lassen. „Die Listen werden regelmäßig ausgewertet und für Planungen herangezogen“ führt Will aus.

Die Ursache der Probleme liegt in der Glasfasertechnik. Sie war in den 90er-Jahren die modernste Anschlussmöglichkeit. DSL erfordert jedoch zumindest eine Kupferummantelung. Darauf weisen auch die anderen Anbieter hin. So Sonja Schaub von HanseNet, dem Verwalter des ehemaligen AOL-Netzes. „Solange die Deutsche Telekom dort nicht mit Kupfer überbaut, wird es kein DSL geben“, sagt sie. Ähnlich äußert sich die Sprecherin der 1&1-Gruppe, Ingrun Senft. „Wir sind nur Reseller der T-Com“, betont sie, „also können wir nur da anbieten, wo es T-DSL gibt.“

Die Telekom fordert inzwischen die Kommunen zur Co-Finanzierung beim Ausbau der Netze auf. Harald Summa, Geschäftsführer des Eco-Verbandes der deutschen Internetwirtschaft, kritisiert das Gebaren. „Andere Anbieter investieren in der Regel bei Neuerschließungen einen Anteil des Umsatzes wieder. Die verkündete Summe von 200 Millionen Euro ist im Verhältnis zum Umsatz der Aktiengesellschaft verschwindend gering. Dass sie jetzt die Städte und Gemeinden – und damit den Steuerzahler – zur Mitfinanzierung aufruft, ist angesichts dieses Missverhältnisses der Gipfel. Und die Deutsche Telekom vermietet es dann an die Wettbewerber.“ Der Eco-Verband weist auch auf die Bedeutung der DSL-Verfügbarkeit bei der Ansiedlung neuer Unternehmen hin. Gegenden, in denen diese Infrastruktur nicht vorhanden ist, werden häufig gemieden, Arbeitsplätze entstehen gar nicht erst. So werden also die 44,2 Prozent der Brandenburger, die nach einer aktuellen Umfrage von Infratest „offline“ sind, auch weiter, wenn auch häufig ungewollt, ohne Anschluss bleiben. Für Dirk Borgwardt und Elke Wernitz heißt es hoffen.

http://www.breitbandatlas.de

DSL-Wunsch-Registrierung: (0800) 330 9000

Übersicht der MAZ-Artikel anzeigen

 
medien/maz/20070629.txt · Zuletzt geändert: d.m.Y H:i (Externe Bearbeitung)
 
Recent changes RSS feed Creative Commons License Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki