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Artikel vom 24.09.2007

Mit Skepsis in die Zukunft

Folgen des Börsengangs der Deutschen Bahn-AG im Fläming noch offen

Die komplette Regionalbahnlinie 33 von Jüterbog über Treuenbrietzen, Beelitz (Stadt) nach Berlin-Wansee sowie die Haltepunkte Medewitz und Wiesenburg an der Regionalexpresslinie 7 von Dessau über Belzig nach Berlin wären bei einem Börsengang der Deutschen Bahn-AG von Stilllegung bedroht. Das jedenfalls geht aus Papieren des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) hervor.

Der Verbund koordiniert seit 1999 im Auftrag von Berlin und Brandenburg sowie den kreisfreien Städten und Landkreisen den öffentlichen Nahverkehr hier zu Lande. Neben Tarif- und Qualitätsfragen zeichnet er für Planung, Bestellung und Vergabe im Schienenpersonennahverkehr verantwortlich.

Geschäftsführer Hans-Werner Franz warnt: „Langfristig müssen die Länder mehr bezahlen, weil die Trassen- und Stationspreise steigen werden.“ Das Netz soll bekanntlich zumindest teilweise mit dem „Unternehmen Zukunft“ privatisert und damit mehr denn je den Gesetzen des Marktes unterworfen werden. „Es bleibt weniger Geld für die Bestellung . . . jeder sechste Zug könnte gestrichen werden“, so der Verkehrsverbund. Er befürchtet, dass sich die Deutsche Bahn-AG in der Konsequenz von Strecken und Bahnhöfen trennt. In der Mark und in der Hauptstadt bangt er daher um 700 der 2360 Kilometer Gleise und um 117 von 522 Bahnhöfen.

Vor Ort hat die Prognose bereits für Unruhe gesorgt. Dabei läuft gerade die Ausschreibung der RB 33, die für rund 35 Millionen Euro saniert worden ist. Wie berichtet müht sich die DB-Regio um den Zuschlag für die Strecke.

Mit Aufmerksamkeit hat die Wiesenburger Bürgermeisterin Barbara Klembt (Die Linke) die Botschaft aufgenommen. Die Gemeindevertreter, insbesondere jene der politischen Parteien, hat sie gebeten, den Erhalt beider Bahnhöfe im Auge zu behalten. Der „Flämingperle“ war der Bestand des Bahnhofs stets zugesichert. Momentan wird der Vorplatz hergerichtet. Angesichts der allgemein schlechten Perspektiven für die Infrastruktur in der Peripherie scheint der Kommune jedoch trotz der Zusicherungen wieder Skepsis geboten.

Verärgert über die „Meinungsmache“ ist hingegen Burkhard Alert. Der Sprecher der Deutschen Bahn-AG verweist darauf, dass in den vergangenen sechs Jahren 332 Millionen Euro im Land Brandenburg investiert worden seien, 2007 allein 54 Millionen Euro. „Darunter sind viele Nebenstrecken wie Brandenburg/Havel – Rathenow, Beeskow – Königs Wusterhausen oder der Prignitz-Express, weil deren Bedeutung für das Netz klar ist.“ Und die Deutsche Bahn-AG schiebt den Schwarzen Peter zurück zur Politik: „Dass die Preise auch künftig nicht beliebig festgelegt werden, darüber wacht die Bundesnetzagentur. Dann ist es am Verkehrsverbund und an den Ländern, was sie bestellen.“

Die RB 33 sowie die Haltepunkte Wiesenburg und Medewitz stehen jedenfalls laut Burkhard Alert von seiten der Deutschen Bahn-AG nicht zur Disposition.

von ANDREAS KOSKA und RENÉ GAFFRON

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