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Artikel vom 05.12.2007

Im Backfischalter ineinander verguckt Jubiläum

Diamantene / Hochzeit in Cammer

Heute blicken der 81-jährige Alfred Heerwaldt und seine ein Jahr jüngere Frau Gerda auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück.

Allerdings kennen sie sich schon wesentlich länger. Beide sind gebürtige Cammeraner, seit Generationen wohnen die Familienzweige im Ort. Kein Wunder also, dass sich Gerda und Alfred, der meist Ali genannt wird, seit Kindesbeinen kennen. Im Backfischalter, wie man damals die Teens nannte, verguckten sie sich ineinander. Die Bindung war so stark, dass sie die drei Jahre, die Alfred im Krieg war, überstand. Den Cammeraner verschlug es zur Marine, über Helgoland und Sylt bis nach Norwegen. Erst 1946 ging es zurück in die Heimat. Noch vor der Hochzeit am 5.Dezember 1947 wurde Wolfgang, der ältere der beiden Söhne, geboren. Vier Jahre später gesellte sich Heinz hinzu.

Alfred Heerwaldt lernte Schlosser und war ein begeisterter Sportler. Er organisierte Sportfeste und Fahrten, ging im Winter auf Jagd, sie kümmerte sich um Haushalt und Kinder. Das junge Paar zog in das Wohnhaus seiner Eltern – damals durchaus üblich. Dort wohnen sie noch heute.

Beide arbeiteten bei der LPG, er zwischenzeitlich als Vorsitzender, danach als Traktorist und Schlosser. In der Schule zu Cammer gab Alfred Heerwaldt Sportunterricht. Seine Frau war in der Pflanzenproduktion tätig. „Raus aus die Kartoffeln, rin in die Kartoffeln“, und das im Schichtdienst. „Mein Mann, der viel unterwegs war, hat da schon manchmal gefehlt“, sagt sie. Von der einst größeren Wirtschaft sind noch drei Hühner übrig geblieben.

1959 wurden die Familie mobil, das erste Motorrad war da, drei Jahre später der erste Trabi, damit ging es jedes Jahr an die Ostsee, nach Warnemünde. Auf den zweiten Wagen mussten sie dann 14 Jahre warten. Heute steht ein Polo in der Garage. Das Diamantene Paar ist auch auf zwei Rädern immer noch mobil. Täglich wird Fahrrad gefahren. „Mit dem Gehen habe ich langsam Probleme, Fahrradfahren geht aber problemlos“, erzählt Alfred Heerwaldt. Gleich nach der Wende nutzten die Senioren die Reisefreiheit. Mit dem Bus ging es durch halb Europa. Geflogen sind die Heerwaldts aber noch nie. Dennoch erfüllte sich Gerda Heerwaldt ihren größten Wunsch, einmal auf den Großglockner zu steigen. „Es war herrlich“, erinnert sich die Jubilarin, „fast wie fliegen“.

Neben dem Fahrradfahren beschäftigen sich beide gern mit Puzzeln und Rätseln. Die ersten Wehwehchen stellen sich ein. Nach dem Motto „wenn nichts weh tut, ist man tot“, klagt Gerda Heerwaldt nicht, sondern sagt „Wir sind fit“. Darum wird heute die diamantene Hochzeit auch kräftig gefeiert.

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