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Artikel vom 25.06.2008

Konzert: Treffende Texte, anrührende Musik

Emily Behr und Trio „Fl-Air“ trugen Klassiker aus der märkischen Heimat vor

Im Saal unter dem Dach der „Alten Brücker Post“ war kein Platz mehr frei. Ricarda Müller und Annie Tilmant scheinen das geahnt zu haben. Der Genuss des musikalisch-literarischen Programms am Sonnabend ist daher per Funk in Bild und Ton in den Garten übertragen worden.

Zur Mittsommernacht war das Ensemble „Fl-Air“ im Planestädtchen zu Gast. Der Name des Trios – ein Wortspiel aus Flöte und Air (Luft), wobei der zweite Begriff für Leichtigkeit stehen soll. Sie ist tatsächlich von Wendy Castine, Ulrike Philippi und Katharina Schumacher vermittelt worden. Sie haben Werke märkischer Komponisten wie Christoph Schaffrath und Johann Joachim Quantz gespielt. Beides sind Zeitgenossen Friedrichs des Großen – der eine Cembalist in der Hofkapelle, der andere gar Lehrer des Preußenkönigs. Kein Wunder also, dass es aus dieser Zeit besonders viele Kompositionen für Flöte gibt.

Das Besondere war jedoch die Kombination von Musik mit Literatur. Von Emily Behr, einer bekannten Theater- und TV-Schauspielerin aus Berlin, wurden die an sich schon treffenden Texte von Theodor Fontane vorgetragen. Ausdruckvoll und einfühlsam präsentierte sie Geschichten des märkischen Heimatdichters über die Eigenheiten der Berliner und über die Befindlichkeiten der Diven des 19. Jahrhunderts, die sich in ihren Kapricen in nichts von denen der heutigen Stars unterschieden.

Peter Castine hat dazu Werke des Theodor-Fontane- Zeitgenossen Felix Mendelssohn-Bartholdy für die Flöte arrangiert. Voller Leichtigkeit wurden „Lieder ohne Worte“ interpretiert. Man meinte beim „Frühlingslied“ und den „Maibrisen“ genau das zu fühlen. Und nicht nur die anwesenden drei Kinder haben das „Kinderstück“, bei dem auch die Bassflöte von Ulrike Philippi zum Einsatz kam, genossen. Das Zusammenspiel der drei Instrumentalistinnen war perfekt.

Die von Fontane geschilderten Reize der märkischen Mädchen und ein Trio D-dur von Kaspar Kummer, einziger Nicht-Märker im Reigen der Musiker, beschlossen den Abend des „Trios aus der Metropole in der Provinz“ wie Gastgeberin Ricarda Müller es formulierte. Eine Zuhörerin zog für sich ein Resümee: „Ich war geblendet von der Sonne und betört von den Klängen.“ So empfanden es die meisten der Besucher drinnen wie draußen.

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