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Artikel vom 08.07.2008

Friedhof: Specht macht sich an Grabtafeln zu schaffen

Besorgte Einwohner Borkwaldes sehen hölzerne Zeitzeugen gefährdet

Der Borkwalder Friedhof liegt mitten im Wald. Die Anlage ist erst vor einigen Jahren in Ordnung gebracht worden. Die Gräber machen alle einen gepflegten Eindruck. Für Vandalismusschäden ist dort ausschließlich die Natur zuständig. Gern suchen Wildschweine den Friedhof auf. Deshalb wird darauf verwiesen, die Tore und Türen der Ruhestätte geschlossen zu halten.

Das hilft allerdings nicht gegen die gefiederten Besucher. Zu ihnen gehört auch der jedes Frühjahr wiederkehrende Specht. Zu seinem Balzgehabe gehört es, auf die beiden ältesten Grabmäler auf dem Friedhof einzuhämmern.

Renate Bressel beobachtet dieses Gehabe seit einiger Zeit kritisch. Inzwischen ist sie in ernsthafter Sorge um die aus Eichenholz gefertigten Grabtafeln, die aus der vergleichsweise jungen Geschichte der Waldgemeinde erzählen. Die eine erinnert an den Baumschulenbesitzer Herbert Böhm, der 1937 starb. Neben dem Namen des Verstorbenen sind eine Palme und ein unter der Last des Kreuzes gebeugter Jesus auf der Tafel eingeschnitzt. Genau über der Palmenspitze ist ein inzwischen gut zwei Zentimeter tiefes Loch zu erkennen – ein Werk des liebestollen Spechts.

Günter Kaeding wohnt seit 1930 in Borkwalde. Er kannte die Familie Böhm persönlich und er kennt auch die Geschichte der Familie Pagels. An Toni Pagels wird mit der anderen Tafel erinnert. Die Frau starb nach einer schweren Krankheit im Jahre 1940, ihr Mann, ein Möbeltischler, war zu dem Zeitpunkt an der Front, die 13-jährige Tochter Doris daheim somit auf sich allein gestellt. „Sie wohnt jetzt im norddeutschen Glückstadt und besucht mindestens einmal im Jahr ihren Heimatort“, weiß Günter Kaeding. Auf dem Grab von Toni Pagels hat sich der Specht gleich an mehreren Stellen verewigt und ins betagte Holz gehämmert. Günter Kaeding hat beide Gedenktafeln auf dem Friedhof schon mehrfach mit Lasur gestrichen, um sie so vor Witterungseinflüssen zu schützen. Gegen den Vogel ist auch er jedoch offenbar machtlos.

Renate Bressel sieht eine letzte Chance zu deren Rettung in der Verlegung der Tafeln „Vielleicht wären sie an einem geschützteren Standort auch vor dem Specht sicher“, berichtete sie in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter. Auch die Ortschronistin Eva Matis will sich der Sache annehmen. Alle waren sich einig, dass die letzten Grabmale aus den Anfängen der Gemeinde Borkwalde unbedingt erhaltenswert sind.

MAZ Seite 1 (verkürtzt)

Friedhof: Specht stört Totenruhe

Alte hölzerne Grabtafeln Ziel eifriger Klopfattacken

Auf dem Friedhof des beschaulichen Örtchens Borkwalde (Potsdam- Mittelmark) ist ausschließlich die Natur für Vandalismusschäden verantwortlich. Wie es sich für eine „Waldgemeinde“ gehört, liegt auch die Ruhestätte im Kiefernforst. So suchen gern auch Wildschweine die Anlage auf. Dringend wird gebeten, Tore und Türen geschlossen zu halten. Gegen den Angriff aus der Luft hilft das freilich nicht. Denn erneut stört nun ein Specht die Totenruhe. Der hämmernde Vogel ruft heimatverbundene Bürger auf den Plan. Renate Bressel und Günter Kaeding haben nichts gegen das Tier und seine typischen Klopfgeräusche. Nur das Ziel der Schnabelattacken missfällt ihnen mächtig.

Denn zum Balzgehabe des Gefiederten gehört es, auf die beiden ältesten Grabmäler des Friedhofs einzuhämmern. Renate Bressel macht sich Sorgen um die aus Eichenholz gefertigten Grabtafeln, die aus der noch jungen Geschichte der Waldgemeinde erzählen. Eine erinnert an den Baumschulenbesitzer Herbert Böhm, der 1937 verstarb. Genau über der neben seinem Namen geschnitzten Palme ist ein gut zwei Zentimeter tiefes Loch als Werk des liebestollen Spechts zu erkennen.

Auf dem zweiten Grab hat dieser sich gleich an mehreren Stellen verewigt und ins betagte Holz gehämmert. Günter Kaeding hat beide Tafeln mehrfach mit Lasur gestrichen, um sie vor der Witterung zu schützen. Gegen den Vogel ist er jedoch machtlos.

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