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Artikel vom 25.07.2008

Verwaltung: Tagesgeschäft ist meistens Sacharbeit

Christian Großmann für Familienfreundlichkeit und Brandschutz

Christian Großmann ist in der vergangenen Woche für weitere acht Jahre als Verwaltungsleiter des Amtes Brück bestätigt worden. Über die Wahl und bevorstehende Aufgaben hat er mit MAZ-Mitarbeiter Andreas Koska gesprochen.

MAZ: Bei Ihrer Wahl erhielten sie fünf Gegenstimmen. Sehen Sie für die Zukunft deshalb Probleme in einer Zusammenarbeit mit dem Amtsausschuss?

Christian Großmann: Ich versuche, sachorientiert zu arbeiten. Insofern sehe ich für die Zukunft keine Probleme bei der Zusammenarbeit mit den Gemeindevertretern im Amtsausschuss.

Vor der Wahl ist Ihnen mangelnde Personalführung nachgesagt worden. Trifft Sie der Vorwurf und wie gehen Sie damit um?

Großmann: Verwaltung ist Teamarbeit. Ein Amtsdirektor kann nur so gut sein wie seine Amtsleiter. Leider sind die Amtsleiter durch das Tagesgeschäft eher als Sachbearbeiter tätig und können deshalb nicht immer ihre Führungsaufgaben wahrnehmen. Demnächst wird die Kameralistik durch Doppik ersetzt, die Stellen von Kämmerer und Hauptamtsleitung sind gerade ausgeschrieben worden, so dass wir an eine Veränderung der Amtsstrukturen herangehen können. Dann sollen die Amtsleiter auch stärker Führungsaufgaben übernehmen.

Welche Ideen haben Sie für den Amtsbereich?

Großmann: In der Hauptsache bin ich dafür da, die Ideen der Gemeindevertreter umzusetzen, unabhängig davon, ob sie mir gefallen oder nicht. Selbstverständlich versuche ich auch Anstöße zu geben. Eine stärkere Berücksichtigung der Solarenergie bei Neubauten halte ich zum Beispiel für wünschenswert. Allerdings gilt es in erster Linie, Begonnenes weiter zu verfolgen und auszubauen.

Woran denken Sie dabei?

Großmann: Dabei denke ich zum Beispiel an ein „familienfreundliches Brück“. Ein Gedanke der von den Pädagogen aus Brück an uns herangetragen worden ist. Dabei geht es um eine Erhöhung der Startchancen für den Nachwuchs. Von der Kindertagesstätte über die Schulen, das Eltern-Kind-Zentrum bis hin zum Mehrgenerationenhaus, das in der Alten Korbmacherei entsteht – diese Angebote sind als Standortfaktor wichtig und bei potenziellen Neubürgern gefragt. Vielleicht können aus der Stadt Brück auch Impulse an die anderen Gemeinden des Amtes weitergegeben werden.

Ist der Neubau der Kindertagesstätte in Brück nicht eine zu große finanzielle Belastung?

Großmann: Sicherlich wird die Kreditrückzahlung in den nächsten Jahren den Haushalt belasten. Allerdings ist der Neubau ausfinanziert. Darüber hinaus hat der Haushalt in den nächsten fünf Jahren wenig Luft für andere Aufgaben.

Es heißt jedoch, der Bau reicht gar nicht aus?

Großmann: Es stimmt zumindest für den Zeitpunkt der Eröffnung Anfang 2009. Deshalb werden die „Großen“ noch weiter in der Einrichtung „Am Sonnenberg“ bleiben müssen. Ein Anbau wäre theoretisch möglich, allerdings, wenn man den Prognosen glauben darf, wird dieser Kinderüberhang zum Beginn des Schuljahres 2009/2010 schon wieder abgebaut sein.

Familienfreundliche Kommune heißt auch gute Schulen, genügend Lehrer und Unterricht. In Borkheide gibt es gerade Elternproteste ob des Unterrichtsausfalls. Wie sehen Sie das?

Großmann: Es ist nicht akzeptabel, dass die schlechte Personalpolitik des Landes Brandenburg die guten Ansätze an unseren Schulen ad absurdum führt. Gerade in Brück und Borkheide haben wir die Verlässliche Halbtagsgrundschule, Flexklassen und Modellprojekte eingeführt; wir investieren in die Gebäude und Ausstattung . . . Und bei der Lehrerzuweisung gibt es dann Defizite, die alle Anstrengungen zunichte machen.

Golzow war vor einigen Monaten kurz davor, in die Gemeinde Kloster Lehnin zu wechseln. Sehen Sie da weiterhin Probleme oder ist es ausgestanden?

Großmann: Einige Gemeindevertreter hätten einen Wechsel gern gesehen. Die Einwohner entschieden sich in einer Abstimmung dagegen. Es ist unzweifelhaft so, dass Golzow wenig finanziellen Spielraum hat. Der Trink- und Abwasserzweckverband „Freies Havelbruch“ belastet den Haushalt. Es wird Aufgabe der neuen Gemeindevertretung sein, die bestehenden Spielräume konsequent zu nutzen.

Gibt es noch einen Bereich der Ihnen wichtig ist?

Großmann: Der Brandschutz hat im Amt Brück eine hohe Priorität. Hier ist schon einiges passiert. Wir haben drei Schwerpunktfeuerwehren in Brück, Borkheide und Golzow. Daneben gibt es aber noch weitere zwölf Standorte. Es gilt, die Wehren mit entsprechenden Fahrzeugen auszustatten, die Kameraden müssen ferner befähigt werden, die Technik zu bedienen. Ausrüstung ohne Leute hilft nicht. Deshalb gilt unser Augenmerk der Ausbildung und der Unterstützung von Jugendfeuerwehren.

Haben Sie Wünsche für die Kommunalwahl?

Großmann: Ja, es wäre schön, wenn es allerorts genug Kandidaten für die Gemeindevertretungen und Ortsbeiräte gäbe. Gerade das Beispiel der Bushaltestelle in Oberjünne zeigt, wie wichtig das Engagement vor Ort ist. Ohne den Ortsbeirat würde es den neuen Halt im Dorf nicht geben. Ich jedenfalls bin jederzeit bereit, den Ortsbürgermeistern und -beiräten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und zu helfen. Meine Tür steht jedem offen.

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