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Artikel vom 05.02.2008

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BORKHEIDE/BERLIN

Vom Schützengraben ins Museum

In Borkheide geborgene Flugzeugteile werden als Ausstellungsstück hergerichtet

Voraussichtlich im nächsten Jahr wird eine dann vollständig restaurierte Messerschmitt Me 262 A1-a, ein Jagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, in die Luftfahrtausstellung des Deutschen Technikmuseums Berlin (DTMB) eingegliedert. Dem geht eine besondere Vorgeschichte voraus.

Burckhard Ballin vom Hans-Grade-Museum in Borkheide kann sich noch daran erinnern, dass die original erhaltenen Teile im Wesentlichen in der Waldgemeinde gefunden wurden.

Das Flugzeug war im Januar 1945 in Leipheim gebaut worden. Über Brandenburg-Briest und Memmingen wurde die Maschine eingeflogen und dann im März als „Weiße 6“ zur Verteidigung Berlins abkommandiert. Ohne je den Feind gesehen zu haben, musste sie wegen Treibstoffmangels kurz vor dem Ziel notlanden. Beim Aufsetzen auf dem Borkheider Marsfeld blieb das Flugzeug an einem Hindernis hängen und produzierte einen „Kopfstand“. Der Pilot blieb unverletzt. Die Maschine jedoch war in der Bugsektion erheblich beschädigt. Eine zweite, baugleiche Maschine landete problemlos. Die Tragflächen des unbeschädigten Flugzeugs verblieben in Borkheide und wurden nach dem Krieg, bis auf die Stahlgurte des Hauptholms, verschrottet. Die beschädigte Maschine indes wurde gesprengt. Die Reste beider Flugzeuge waren in Schützengräben vergraben worden.

Als Interessierte 1988 daran gingen, in Erinnerung an den im Ort einstmals tätigen Flugpionier das Hans-Grade-Museum einzurichten, wurden Teile der „Weißen 6“ ans Tageslicht geholt und im Museum ausgestellt.

Fünf Jahre später erfuhr das Berliner Technikmuseum von den Ausstellungsstücken. Da weitere Funde in der Umgebung vermutet wurden, gab es zwischen 1994 und 1996 Ausgrabungen in Borkheide am Marsflugfeld und in der Umgebung. Fast alle vergrabenen Teile der beiden Messerschmitts wurden gefunden. Mit vorhandenen Teilen aus anderen Sammlungen, unter anderem aus Fort Worth in Texas (USA), wird jetzt eine Me 262 zusammengebaut.

„Einer der Piloten der Maschine hat sich vor wenigen Wochen bei uns gemeldet und nach seiner Maschine erkundigt“, erzählt Ballin. „Er ist inzwischen über 90 Jahre alt.“

Bei den Grabungen kam auch ein Zwölfzylinder Flugmotor von Daimler zum Vorschein, erinnert sich Ballin. Auch dieser wurde nach Berlin abgegeben.

Wenn im nächsten Jahr in Deutschland das Jubiläum zu 100 Jahren Motorflug begangen wird, dann ist Borkheide als die Wiege des Motorflugs dabei. „Wir kooperieren mit Berlin, München und weiteren Museen bei der Vorbereitung“, berichtet Ballin.

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