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Artikel vom 10.01.2008

Zukunft auf dem Lande - Dorfleben

Jugendliche aus Cammer wollen ihrem Heimatort nach der Ausbildung treu bleiben

Die Landflucht wird ständig beklagt, häufig aber auch gefördert. Junge, gut ausgebildete Menschen kehren dem Dorf den Rücken.

Dabei gibt es auch Jugendliche, die ihre Zukunft auf dem Lande sehen, wie in Cammer.

Von Andreas Koska

Gutachten der Brandenburger Landesregierung empfehlen, den ländlichen Raum aufzugeben. Andere, bezweifeln den Sinn des spärlichen Öffentlichen Personennahverkehrs auf dem Lande.

Von diesen düsteren Prognosen wollen vier junge Männer aus Cammer nichts wissen. Sie sehen ihre Zukunft in dem Dorf, in dem sie groß geworden sind. Derzeit freilich studieren alle vier in Berlin.

Florian Wernitz hat im vorigen Jahr den Bachelor in Landwirtschaft abgelegt und befindet sich jetzt im Masterstudiengang. Fabian Schmidt studiert Veterinärmedizin und will als Landtierarzt arbeiten. Volker Behrendt und Christian Schulz indes sind auf dem Weg Wirtschaftsingenieure zu werden.

Alle vier wissen, dass der Wille, im Dorf zu bleiben, sich unter Umständen nicht wird realisieren lasse, obwohl sie bereit wären, auch längere Wege in Kauf zu nehmen, um ihrem Beruf nachzugehen.

Bei allen ist es nicht die Angst vor der Stadt, die sie nach Cammer zieht. Alle haben ihre Studentenbuden in Berlin gehabt. Florian Wenitz und Fabian Schmidt gaben sie auf. „Lieber pendeln, als im Moloch zu leben und sich dort nicht wohlzufühlen“, ist ihre Erkenntnis. Christian Schulz und Volker Behrendt haben eine gemeinsame Wohnung in Moabit. Beide können häufig kaum den Freitag erwarten, um wieder nach Hause zu fahren.

Das freilich mag auch an ihrem Engagement liegen, das sie im Ort nach wie vor zeigen. So leitet Florian Wernitz den Jugendklub, während Christian Schulz als Gemeindevertreter politisch aktiv ist. Volker Behrendt hält über die freiwillige Feuerwehr den Kontakt zum Heimatort, während Fabian Schmidt daheim seine Liebe zum Fahrsport ausleben kann.

Der 24-Jährige ist in seiner Lebensplanung noch einen Schritt weiter gegangen: Er hat ein leer stehendes Haus im Dorf gekauft, in dem er gerne leben würde. Der Cammeraner schätzt das soziale Umfeld und die Gemeinschaft. Dabei genießt er die Ruhe sowie Spaziergänge durch den Wald und über die Wiesen. „Wenn ich mal Kinder habe, sollen auch sie im Dorf aufwachsen“, betont der angehende Tierarzt. An Cammer schätzt er zudem, „dass es den Bäcker und den Konsum noch gibt“. Auch der Kindergarten im Ort sei ein nicht zu unterschätzender Vorteil, so Schmidt. Seine Freundin stammt aus der Uckermark. In ihrem Dorf gebe es das alles schon nicht mehr.

Alle vier Jungen aus Cammer schätzen den Zusammenhalt, der unter anderem durch den seit zehn Jahren in eigener Regie existierenden Jugendklub gestärkt wird. Florian Wernitz kann es sich nicht vorstellen in einem Mietshaus als „Wohnkäfig“ zu wohnen. „Nichts kann schöner sein, als ein Vierseithof“, sagt er. Volker Behrendt und Christian Schulz bekommen schon jetzt im Studium Jobangebote. Ingenieure werden gebraucht, sie sind Mangelware. Die Offerten kommen aus ganz Deutschland, allerdings kaum aus dem Fläming. „Wenn man will, dass wir bleiben, sollte die Politik darauf hinwirken, dass auch entsprechende Strukturen im ländlichen Raum geschaffen werden“, sagt Volker Behrendt. Damit meint er sowohl Arbeitsplätze als auch Freizeitangebote.

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