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Artikel vom 27.05.2008

Ortsjubiläum: Sonne schien, Rind bockte

Festumzug in Cammer erhielt viel Lob / Luisenlinde wurde gepflanzt

Das Wetter hat wieder einmal mitgespielt. Nicht zum ersten Mal, wenn in Cammer gefeiert wird. Zwar war die Sonne eine wichtige Voraussetzung für den guten Besuch, den großen Erfolg können sich jedoch die Cammeraner selbst an die Fahnen heften. So war das Erstaunen über den gelungenen historischen Umzug des Ortes aus Anlass der 675-Jahr-Feier von Cammer nicht zu überhören. „Das hätten wir dem kleinen Ort nicht zugetraut.“ Detlef Backhaus, der aus Berlin angereist war, zeigte sich beeindruckt.

Nachdem das Jugendblasorchester aus Ziesar und die lokalen Polit-Promis wie die Bundestagsabgeordnete Andrea Voßhoff (CDU), SPD-Landtagsfraktionschef Günter Baaske und Landrat Lothar Koch (SPD), vorbeigezogen waren, konnten prächtige und detailgetreu gestaltete historische Wagen und Fußgängergruppen von den Zuschauern bewundert werden. Es schien, als wenn ganz Cammer und Umgebung am Umzug teilnahmen.

Das Gallowayrind bockte immer wieder und drohte auszubrechen. Die Aufgabe, einen Karren zu ziehen, war dann doch etwas ungewohnt. „Es war nicht ganz einfach, obwohl ich mehrere Wochen geübt habe“, sagte Besitzer Gerhard Rettig. Es kam einem Wunder gleich, dass das Rind doch noch das Ziel im Park erreichte. Eine Ziege, die ebenfalls einen Wagen ziehen musste, zeigt sich da schon stoischer. Mal ging sie ein paar Schritte vorwärts, blieb stehen und bockte, um dann doch weiter zu laufen. Hunde, Pferde und Kutschen, Kräuter- und Körbehändlerinnen, Eierfrau, Postbotin und Gemeindeschwester in alter Kleidung und Uniform waren ebenso dabei wie auch Alice, die letzte privat gehaltene Kuh in Cammer, und Flocke, das letzte landwirtschaftlich genutzte Pferd. Die Rittereskorte von Katharina de Cammer wirkte furchteinflößend, die Turner auf ihrem Wagen erschienen dagegen sehr geschmeidig. Auch Mühlenflügel drehten sich, allerdings nur am Modell. Erst nach über einer Stunde konnten die „Kieker“ ihre Stühle beiseite stellen, damit gaben sie den Blick frei auf die herrlich geschmückten Häuser der Hauptstraße. An vielen wurde auf Tafeln die Geschichte des Gebäudes und seiner Besitzer dargestellt. Die Freilichtausstellung wurde im Gemeindehaus fortgesetzt. Auf über 40 Tafeln wurde die Dorfchronik vorgestellt, die traditionsreichen Betriebe und Vereine haben mit eigenen Beiträgen die Präsentation bereichert. So konnte auch einiges korrigiert werden, so zum Beispiel, dass es das von Holzkünstlern geschätzte Sägewerk Meier schon seit 1894 gibt, nicht erst seit 1908, wie angenommen worden war. Noch um Mitternacht waren Besucher in der Ausstellung zu sehen. Nicht ganz so lange war der Handwerkermarkt geöffnet. Zu den abendlichen Höhepunkten zählten der Auftritt des „Sharifa-Ensembles“ aus Brandenburg/Havel, eine Bauchtanzgruppe, sowie das begeistert aufgenommene Feuerwerk. Der Nachkomme der ehemaligen Gutsbesitzerfamilie, Christian Bonte-Friedheim zeigt sich deutlich beeindruckt von der Veranstaltung. „Ich habe einige Neuigkeiten aus der Familiengeschichte in Erfahrung bringen können, die mir bisher unbekannt waren“ sagte der Urgroßenkel derer von Broesigke.

Am Sonntag wurde zum Dorfgeburtstag die „Luisenlinde“ gepflanzt, den Spaten nahmen die drei letzten Bürgermeister von Cammer gemeinsam in die Hand. Die anwesende stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Alleenschutzgemeinschaft, Bundstagsabgeordnetee Cornelia Behm (Bündnisgrüne), war voll des Lobes über die Aktion und half selbst tatkräftig bei der Pflanzung mit.

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