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Artikel vom 08.09.2008

Portrait: Politischer Abschied in den Unruhestand

Joachim Richter aus Cammer tritt nach fast 40 Jahren in Gemeindevertretungen nicht mehr an

Für die meisten Bürger von Cammer ist es fast unvorstellbar, dass Joachim Richter nach fast 40 Jahren politischer Arbeit nicht mehr das Gemeindeleben mitgestalten wird.

Seit 1974 war der Bauarbeiter in der Gemeindevertretung des Ortes aktiv. Jetzt soll Schluss sein. „Es wird Zeit, dass sich Jüngere einmischen und neue Ideen einbringen“, sagt der 61-Jährige. Dem kräftigen und vor Energie sprühenden Mann will man nicht glauben, dass er ausgebrannt ist. Sein kommunalpolitisches Leben begann 1969 in Deutsch Bork, dorthin hat ihn zuerst die Arbeit beim Meliorationskombinat Potsdam geführt. Es mussten Wirtschaftswege gebaut werden, dabei traf er seine zukünftige Frau Ingrid. Ihr gemeinsamer Sohn wurde noch dort geboren und Richter zum Gemeindevertreter gewählt.

Die junge Familie erhielt 1971 die Möglichkeit, in Cammer ein Haus zu kaufen. Dort kam die Tochter zur Welt. Joachim Richter wurde Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und baute die Frauenwehr mit auf. Heute ist Richter noch passives Mitglied der Wehr. Beruflich qualifizierte er sich zum Polier mit Meisterbrief im Tiefbau. Seit 1974 saß er schon wieder am Tisch der Dorfabgeordneten. Das Angebot der Kreisverwaltung, Bürgermeister zu werden, lehnte der Parteilose ab. Diese Ehre wurde ihm dann 1993 zu Teil. Für fünf Jahre wurde Joachim Richter Ortschef in Cammer. In diese Zeit fällt die Wiedereinweihung der Mühle, aber auch die Vorbereitung des Umzugs des Jugendclubs und des Gemeindbüros in den Park. Ulf Dingelstaedt wurde sein Nachfolger. Richter blieb Abgeordneter. Seine besondere Aufmerksamkeit galt fortan der Feldstraße in Cammer, „seiner Straße“. Er organisierte gemeinsam mit Nachbarn ein Straßenfest, das in diesem Jahr mit Gästen das 10. Mal gefeiert wurde. Seit 2001, als er bei der Handwerkskammer in Jüterbog eine Prüfung zum „Hochbauer“ ablegte, ist Richter selbstständig. Im Familienbetrieb wirken er und sein Sohn gemeinsam. Ob Sonn- oder Feiertag, wenn sie gebraucht werden, sind sie da. Das weiß auch das Bauamt und fordert die beiden immer wieder zu Noteinsätzen an. Für Hobbys neben der Kommunalpolitik bleibt dem Familienvater keine Zeit mehr. Früher hat er in der Freizeit Treibhäuser gebaut und in der kalten Jahreszeit gedrechselt. „Es macht mir noch heute Freude, wenn ich in der Adventszeit manch einen Nussknacker in den Fenstern sehe, den ich gemacht habe“, sagt er mit einem Lächeln. Das werden jetzt die beiden Enkelkinder häufiger sehen können. Sein Wohnort wird ihm aber auch weiter am Herzen liegen. Als Mitglied des Festkomitees zum Dorfjubiläum gab es die Idee, einen Dorfverein zu gründen. Joachim Richter könnte sich vorstellen, mitzumachen. Eher ein Unruhestand als ein Ruhestand.

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