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in Treffpunkt 04-2008

Von Steglitz II zum Fritschweg

Eine 100-jährige Wohnanlage

Viele gehen achtlos an der Anlage des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin (BWV) vorbei, sogar Steglitzer Taxifahrer müssen in ihrem „Straßenfüher durch Berlin” blättern, wenn die Bestellung – Fritschweg – heißt. Etwas versteckt liegt seit hundert Jahren die Wohnanlage zwischen der Grillparzerstraße und der Rückertstraße. Zwei Wahnblöcke ziehen sich zwischen den Straßenfluchten hin. Um überhaupt so bauen zu dürfen, bedurfte es einer Bauordnungsänderung.

Der bekannte Architekt Faul Mebes zeichnete für die Planung verantwortlich. Mebes war auch Hochschullehrer und Verfasser des Standardwerks für das Bauen „Um 1800”. In der von der Wohnungsbaugesellschaft als „Steglitz II” bezeichneten Anlage entstanden 129 unterschiedlich große Wohnungen. Die ersten Wohnungen wurden schon im März 1908 verlost! Es wurde an alles gedacht, die zukünftigen Mieter hatten im Juni die Möglichkeit, auf die Tapetenwahl Einfluss zu nehmen.

1908: Neue Wohnungen

Ab dem 1.10.1908 waren die Wohnungen bezugsfertig, schon am 1.1.1909 waren 64 Wohnungen bezogen.

Die Baukosten betrugen genau 1.598.724,07 Mark, allein das Grundstück kostete knapp 400.000,00 Mark. Erwartet wurden Mieteinnahmen von 106.870,00 Mark jährlich.

In rotem Klinker gehalten, erinnert das Ganze an eine Burganlage. In der Mitte gibt es einen kleinen Platz, wo auch heute noch gern gefeiert wird. Zwei Hauswarte hatten die Anlage zu betreuen. Von Anfang an entwickelte sich zwischen den Bewohnern ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das bis heute anhält. Kein Wunder also, dass der 100. Geburtstag mit einem großen Fest begangen werden soll. Einige werden sich sicherlich noch an die 75-Jahr-Feier erinnern können. Auch damals berichtete unser Treffpunkt Matthäus.

Schon im Jahr 1910 wurde der namenlose Durchgang benannt. Er erhielt zuerst den Namen Fritschstraße, ab 1935 Fritschweg. Bruno Fritsch war der erste Aufsichtsratsvorsitzende des BWV e.G. Gleichzeitig mit der Benennung wurde eine Büste von Fritsch auf dem kleinen Platz enthüllt, die jedoch im Krieg zerstört wurde. Einige Gebäude wurden ebenfalls vollkommen zerstört (Nr. 2 + 6), andere teilweise (Nr. 7), die Dächer waren überall abgedeckt.

1958: 50-jähriges Jubiläum

Im Jahr 1950 waren die meisten Schäden behoben und es konnte das 50-jährige Genossenschaftsjubiläum begangen werden, dabei wurde die noch existierende Gedenktafel angebracht.

Bei einer Ansprache würdigte man das Schaffen von Bruno Fritsch, des Ministerialdirektors beim Postminister Heinrich von Stephan. Besondere Erwähnung fand, dass Fritsch erst mit 78 Jahren, nach 20 Jahren, den Aufsichtsratsvorsitz beim BWV niedergelegt hat und noch 11 Jahre an den Sitzungen teilnahm. Bruno Fritsch war bis ins hohe Alter sehr agil, er starb 1933 und wurde auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof am Mehringdamm bestattet.

Nach den Jubiläums-Ansprachen ging es zum Feiern in den Albrechtshof (heute Kreisel, und morgen?).

An der Grillparzerstraße 15, die auch zu Steglitz II gehörte, wohnte von 1911-12 Elly Heuss-Knapp, die Ehefrau des späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss.

Die Geschichte des Fritschwegs ist in einer Festschrift zum 75. Geburtstag der Anlage sehr liebevoll zusammengetragen.

von Andreas Koska

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