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Artikel vom 14.08.2007

Plan für Pyramide

Riesenbauwerk an der Landesgrenze noch umstritten

Die Bürger des Dorfes kamen aus dem Staunen nicht heraus. „Wir wollen sie über den Bau einer Pyramide informieren“, war in der Einladung zur Einwohnerversammlung zu lesen. Ergebnis waren Ablehnung oder Skepsis hier, Euphorie und Dynamik da.

Die 40-Seelen-Siedlung gehört zur Doppelstadt Dessau-Roßlau, ist kaum 20 Kilometer von der Grenze zur Mark Brandenburg entfernt. Die Pyramide soll eine Begräbnis- und Erinnerungsstätte sein, erfuhren die interessierten Zuhörer. Das Vorhaben wird von der Bundeskulturstiftung unterstützt. Aus dem Fördertopf „Arbeit in Zukunft“ sind Schriftsteller Ingo Niermann und Wirtschaftswissenschaftler Jens Thiel, die an der Spitze des Vereins „Freunde der Pyramide“ stehen, 89 000 Euro zugesagt.

Ursprünglich war ein etwa 268 Meter hohes Bauwerk geplant. Anders als bei den Pharaonen, wo jede Pyramide nur für eine Bestattung errichtet worden ist, soll sie ein Grab für Millionen Menschen sein. Die Künstler hoffen auf die Entstehung vom umfangreichen Dienstleistungsgewerbe im Umfeld. Es ist die Rede von Hotels, Gotteshäusern und den mit der Bestattung zusammenhängenden Arbeitsplätzen.

Kaum jemand glaubte an die tatsächliche Umsetzung der Idee. Sogar Uta Schnell, eine Mitarbeiterin der fördernden Kulturstiftung sprach vom „Fake“ – einem nicht ernst gemeinten Projekt, das von der Jury als Simulation ausgewählt worden sei. Dagegen wehren sich die Macher. Jens Thiel sagt: „Je mehr wir uns damit beschäftigen, desto stärker glauben wir an den Bau.“ Die Ausmaße wurden verringert. Jetzt soll die Pyramide auf einer Grundfläche von 220 Quadratmetern, was etwa sechs Fußballfeldern entspricht, entstehen und 150 Meter hoch sein. Damit wäre sie etwas niedriger als der Kölner Dom. Insgesamt würden etwa fünf Millionen Steine benötigt. Die Verwirklichung ist in 20 bis 30 Jahren kalkuliert. Es soll nach Bedarf gebaut werden. Jeder Stein wird erst gesetzt, wenn er als Urnengrab oder Gedächtnisstein bestellt und bezahlt ist. Ein Erinnerungsstein mit einer Plakette soll zwischen 200 und 400 Euro, ein Grabstein mit Urnenbehältnis zwischen 500 und 700 Euro kosten.

Dass die Künstler mit der Idee an die Streetzer herangetreten sind, liegt an der Finanzierung durch die Stiftung. Im Konzept wird ein Pyramidenfest gefordert, das vor Ort gefeiert werden soll. Dabei ist noch gar nicht sicher ob der Standort von Bestand sein wird. „Wir haben nach intensiver Suche mehrere Alternativen im Blick. Die Kyritz-Ruppiner-Heide scheint auch geeignet. Es hängt von der Aufnahme und den Angeboten vor Ort ab“, erläutert Jens Thiel die Standortwahl. „Für Streetz spricht, dass dort große Flächen vorhanden sind, auf denen sich die Große Pyramide harmonisch in die Landschaft einfügen würde,“ so Thiel. Er ist optimistisch, vor Ort ist den Berichten zufolge der Enthusiasmus für das neue Weltwunder eher gedämpft.

www.thegreatpyramid.org

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