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Artikel vom 27.06.2008

Landwirtschaft: Sperrvermerk soll Äcker schützen

Amt Brück übt Solidarität mit GVO-Anbau-Gegnern

Mit dem Ergebnis hatte Volker Rottstock zumindest nicht so schnell gerechnet. Zufrieden packte der Biobauer aus Deutsch Bork seine Sachen zusammen. Die vom Amtsausschuss Brück angeregte Informations- und Diskussionsveranstaltung hat dem Aktivisten gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft praktisch nur Zuspruch eingebracht.

Viele Gemeindevertreter, Ortsbürgermeister und Bürger waren Dienstag der Einladung gefolgt. Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Ute Spranger, Fachfrau für internationale Entwicklungs- und Ressourcenpolitik, hatten in das Thema eingeführt. Die Befürworter des technischen Eingriffs waren in einem Film zu Wort gekommen.

Bienenzüchter und Landwirte fühlten sich von den dort angeführten Argumenten zu Nachfragen herausgefordert. Jürgen Klünder unterstrich die Wichtigkeit der Bienen, die er aber in Gefahr sieht. „80 Prozent der Bestäuber sind Bienen, damit sind sie nach Rindern und Schweinen die wichtigsten Nutztiere“, erklärte der Naturparkimker. Der Einfluss von genveränderten Pflanzen auf Insekten ist immer noch nicht geklärt. So berichtete sein Kollege Alfred Sonntag, dass früher 75 bis 99 Prozent seiner Völker den Winter überlebt hätten, jetzt seien alle eingegangen. „Nach einer eingehenden Untersuchung wurde mir mitgeteilt, woran sie nicht verendet sind. Was die Ursache war, weiß ich immer noch nicht“, so der Damelanger.

Ratlosigkeit muss keine Tatlosigkeit folgen, wie die Nachfrage von Linthes Bürgermeisterin Ulrike Schübel ergeben hat. Präventiv kann immerhin der Anbau von genveränderten Organismen (GVO) untersagt werden. Die Kirche verbiete das in den Vereinbarungen mit den Pächtern ihrer Äcker und stehe weiter dazu, berichtete Pastor Helmut Kautz. Diese Idee griffen die Bürgermeister Angelika Schultz (Borkheide) und Ulf Dingelstaedt (Planebruch) auf. Sie wollen in den Gemeindvertretersitzungen einen solchen Vorschlag unterbreiten: Gemeindeflächen sollen nur noch mit dem Sperrvermerk verpachtet werden. Sie wissen allerdings, dass die Beschlüsse im Moment vor allem symbolische Wirkung haben werden. Bislang ist hier zu Lande laut Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kein GVO-Anbau geplant.

Amtsdirektor Christian Großmann wollte mithin die Endverbraucher nicht aus der Verantwortung entlassen. „Wenn die Kunden immer wieder nach der Zusammensetzung der Produkte fragen, werden auch die Konzerne reagieren, also je mehr Nachfragen desto weniger Probleme“, so der Verwaltungs-chef.

Ulrike Schübel stimmte dem zu und meinte, dass dadurch die Landwirtschaftsbetriebe unterstützt werden könnten, die einem enormen Druck der Konzerne unterworfen seien. Volker Rottstock, denen in vorderster Reihe mit der Initiative „Fläming-Gen-Nein“ gegenüber stehend, nahm derlei Solidarität in nächster Nähe wohlwollend zur Kenntnis.

Informationen im Internet: www.standortregister.de

www.FlaemingGENein.de

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