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Artikel vom 02.07.2007

Theodor-Fliedner-Werkstätten erweitern Bildungs- und Arbeitsbereich

Neubau kontra Überbelegung

Im Gewerbegebiet Seedoche 9 wird derzeit fleißig gebaut. Am Gebäude der Theodor-Fliedner-Werkstätten entsteht ein Erweiterungsbau. Im August dieses Jahres soll er eingeweiht werden. Dort werden dann Mitarbeiter der Holzbearbeitung an einer Montagestrecke die Reparatur von Europaletten beginnen. Mit Armin Eilert, Leiter der Werkstatt Belzig der Wohn- & Werkstätten „Theodor Fliedner“, sprach MAZ-Mitarbeiter Andreas Koska. Weshalb wurde der Neubau notwendig?

Eilert: Die Werkstatt ist seinerzeit für 90 Beschäftigte in den Berufsbildungs- und Arbeitsbereichen sowie für zwölf im Förderbereich ausgelegt worden. Inzwischen arbeiten hier 135 Beschäftigte, wir mussten Lagerräume für die Produktion nutzen. Wir sind also mit 33 Beschäftigten überbelegt. Das soll sich mit der Erweiterung ändern.

Sind damit alle Probleme beseitigt?

Eilert: Im Prinzip ja, allerdings sind von den zwölf Förderbereichsplätzen im Moment nur neun besetzt. Im Förderbereich werden Menschen betreut, die den Anforderungen des Arbeitsbereiches nicht oder noch nicht gewachsen sind.

Woran liegt es, dass gerade hier Plätze frei sind?

Eilert: Der Gesetzgeber fordert, dass schwer- und schwerstmehrfachbehinderte Menschen, die in Betreuungseinrichtungen wohnen und nicht oder noch nicht werkstattfähig sind, die so genannte Tagesstruktur dort in den Unterkünften erhalten müssen. Diese Personengruppe darf unsere Förderbereiche nicht mehr besuchen.

Das bedeutet also im Umkehrschluss, dass nur diejenigen, die zu Hause wohnen, bei Ihnen betreut werden können. Gibt es im Förderbereich denn Beschäftigte, die mit der Zeit in den Berufsbildungs- und Arbeitsbereich wechseln?

Eilert: Ja, die Möglichkeit ist immer gegeben. Die im Förderbereich Betreuten werden bei uns in die unterschiedlichen Berufsbereiche begleitet und arbeiten dort zeitweise mit. Abhängig von der persönlichen Entwicklung und dem Potenzial ist mit der Zeit ein vollständiger Wechsel möglich. Es ist bedauerlich, dass behinderten Menschen, die im Heim betreut werden, diese Möglichkeit des Schritt für Schritt in den Arbeitsbereich „Hineinwachsens“ genommen wird.

Glauben Sie, dass es möglich sein wird, die freien Plätze zu belegen?

Eilert: Unser Einzugsgebiet ist der Bereich zwischen Ziesar, Borkwalde und Bardenitz. Ich glaube, dass es behinderte Menschen gibt, die noch immer bei den Eltern wohnen und deshalb nur eine begrenzte Förderung erhalten. Es wäre ausgesprochen wünschenswert, wenn sie unsere Einrichtung besuchen könnten. Es gibt noch immer Mütter und Väter, die nicht wissen, dass es diese Möglichkeit gibt. Für die behinderten Menschen bedeutet der Aufenthalt im Werkstattbereich mehr Tagesstruktur, Förderung und Teilhabe am Leben in der Gruppe und Kontakte zu Anderen. Für die Eltern ist es Entlastung.

Wenn sich der Trend fortsetzen sollte und Sie unter Umständen eine Gruppe im Förderbereich schließen müssten, welche Folgen hätte es für die Mitarbeiterinnen?

Eilert: Die gut ausgebildeten und qualifizierten pädagogischen Mitarbeiterinnen müssten dann als Gruppenleiterinnen im Arbeitsbereich eingesetzt werden, wofür sie eigentlich nicht qualifiziert sind.

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